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Jeschurun · 1926-03-01 · Heft 3-4 (März 1926) · p. Seite 153

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 3-4 (März 1926)
Date
1926-03-01
Page
Seite 153 (sequence 45)
Language
German
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Chajim Nachman Bialik als Jude. 15S So ist es, noch in blasphemischen Uebertreibungen, die geradezu die Geliebte oder die Liebe v ergötzen (wie die Sprache), doch die Liebe des Juden, die hier ausbricht. Nicht der Liebesgenuss wird gepriesen, sondern sein Preis beklagt; oder: zwei Heimatlose und Verlassene finden sich, bauen sich ein Luftschloss als Vaterland und halten sich aneinander, weil sie sonst in der Welt nichts haben. Die ״verlorene Jugend״ spielt fast überall eine grosse Rolle: die Obscönität erklärt sich wohl aus dem Affekt des Nachliolen wollens. In dem vielleicht bekanntesten (in Osten viel gesungenen) dieser Art Lieder sind viele dieser Elemente beisammen: ״Birg mich unter Deinen Flügeln״, heisst die erste Reihe, die den Titel gibt: sie enthält, neben dem Wortsinn, eine Reminiszenz an den traditionellen Ausdruck für den Proselyten, der sich ״unter die Flügel der Gottesherrlicbkeit“ begibt, wenn er Jude wird. Das Hauptmotiv aber ist auch hier schwermütig: ״Und zur Gnaden-Dämmerstunde Beug Dich, dass ich Dir es weine: In der Welt gibts, sagt man, Jugend — Wo war meine?“ Und in nächsten Vers: In der ״Welt gibts, sagt man, Liebe — Was ist Liebe? Und dies alles spricht ein noch junger Mensch, doch nach dem Jünglingsalter typischen Weltschmerzes, (Bialik war 33 Jahre bei Abfassung dieses Gedichtes) zur Geliebten. Dies will sagen: Jugend und Liebe sind ihm nicht nachholbar, sondern im Ghetto seiner Kindheit für ewig verloren gegangen. Dies Ghetto schildert noch einmal, nun in Bezug auf das Liebesthema, eine der merkwürdigsten Schöpfungen des Dichters, die im darauf folgenden Jahre entstanden ist: ein sehr langes Prosagedicht: ״Die Feuerrolle״, das in biblischer Sprache — trotz vieler mischnischer Worte — den Untergang Jerusalems als ein kosmisches Ereignis fasst und mitten in seine Folgen einen Jüngling hineinstellt, der — in stark autobiographischer

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