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Jeschurun · 1926-03-01 · Heft 3-4 (März 1926) · p. Seite 148

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 3-4 (März 1926)
Date
1926-03-01
Page
Seite 148 (sequence 40)
Language
German
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148 Chajim Nacbman Bialik als Jude. Hintergrund künftiger Auflösung und am liebsten den Kampf zweier Naturgewalten miteinander. Rein statistisch liesse sich feststellen, dass Bialik unendlich viel mehr Verba als Adjektiva in seinen Schilderungen verwendet — insbesondere liebt er das praesentiscbe Partizip in einer pleonastischen Häufung, die vielen seiner Gedichte einen ganz eigentümlichen, sofort heraus zu erkennenden Klang gibt. Nicht die ruhende Anschauung, die bewegende Wirkung der Natur ist der Hauptgegenstand seiner Lyrik. Nicht die Blüte, sondern das Blühen, nicht die Nacht, sondern deren Bewegung, nicht die Wüste und der Teich, sondern ihr Ruhen, Stürmen, Erwachen kommen in seinem eigentümlichen fliessenden Rhytmus, in seiner unendlichen Melodie, zur Geltung. Lipschitz hat bemerkt1), Bialik wähle seine Verba in unendlicher Mannigfaltigkeit aus dem Reiche des Lichtes — man kann diese Beobachtung dahin ergänzen, dass sie zum grössten Teile aus dem Bezirk des beleuchteten Wassers stammen. Die Bewegung des Wassers ist der Hauptvergleichsström für seine Poesie und in der Tat seinen in kleine Stücke abgeteilten Riesensätzen selber ähnlich genug: in der unendlichen Ungeteilheit und unendlichen Teilbarkeit des Wassers — und der menschlichen Rede. Jetzt verstehen wir die Geister nicht nur als Beleber, sondern auch als Beweger der sonst ruhenden Natur: dieser Pantheismus ist keiner der intellektuellen Anschauung, überhaupt kein geistiger, keine amor dei intellectualis, sondern ein durchaus und nur ästhetischer: jener der vollendet schönen und belebten Bewegung. So wird auch in Einzelschilderungen immer die Veränderung, gleichsam die Geschichte der Natur oder ihrer Teile erzählt. Da diese Auffassung die Substanz zugunsten der Dynamik entwerten muss, wird es nicht wunder nehmen, dass die Bialik’sche Lyrik eine Vertauschbarkeit der Elemente und der Sinnesorgane kennt, die wir als typisch modern *) In seinem Essay *Der Stil Ch. N. Bialiks“, enthalten in ״Vom lebendigen Hebräisch״, Jüdischer Verlag, Berlin 1920.

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