Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 144 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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144 Chajim Nach man Bialik als Jude. Chajim Nachman Bialik als Jude*). (Aus einer grösseren Arbeit über den Dichter.) Y011 Dr. Ernst Simon, Frankfurt a. M. Der weitaus Berühmteste unter den ״neuhebräischen“ Dichtern und Schriftstellern soll hier daraufhin betrachtet werden, was er ״als Jude“ ist. Diese Themasteilung enthält eine Voraussetzung, die durchaus umstritten ist und deshalb ausgesprochen werden muss: die hebräische Sprache sei nicht schlechthin und nicht für sich allein dafür massgebend, ob ein Werk der Literatur zur jüdischen Literatur zu zählen ist Es gibt urjüdische Bücher in fremder Sprache, und es gibt sehr viel Unjüdisches im Gewand der hebräischen Sprache. Diese Auf- Stellungen wiederum können nur von einem Volksbegriff her erklärt werden, der nicht formale Elemente — wie Land oder Sprache — als die einzig oder hauptsächlich konstitutiven anführt, sondern dem ein Inhalt, ein Inhalt geistiger Art, die Eigenart, das Lebensrecht und die Aufgabe des jüdischen Volkes zu begründen scheint. In einem solchen, inhaltlichen Volksbegriff ist schliesslich die Ueberzeugung enthalten, dass Israel zwar ein Volk sei, aber keines wie alle andere Völker: sondern vielmehr unter bestimmte, einschränkende Bedingungen gestellt und zu gewissen Pflichten auserwählt. *) Einer Erörterung in der Jüd. Rundschau Nr. 11 gegenüber, in der das Verhältnis der ״Orthodoxie“ und anlässlich eines Aufsatzes über Bialik in Jeschurun XII 78־ auch die Stellung des ״Jeschurun“ zur neuhebräischen Literatur nicht zutreffend gezeichnet war, sei bemerkt, dass der folgende Aufsatz seit bereits mehr denn 4 Monaten in der Redaktion liegt und aus technischen Gründen bisher keine Aufnähme gefunden hat. — Für den ״Jeschurun“ ist übrigens das Urteil jenes Autors nur dadurch verständlich, dass er nichts von dem, was in den 12 Jahrgängen des Jeschurun (vor allem in den 6 Jahrgängen der hebräischen Beilage) über neuhebräische Literatur gesagt worden ist, berücksichtigt (vgl. auch J. Carlebach in diesem Heft). Dass wir freilich an alles und darum auch an die neuhebräische Literatur den Wertmesser unserer Religion legen, ist selbstverständlich. — Der Herausgeber.