Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 136 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2292929-2293042-2293045--08190-2301472- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
136 Nachbemerkungen des Herausgebers ist ein grosser Teil bereits früher einmal durchgenommen worden; in den vier Jahren der II. und I. Klasse, die beide einen zweijährigen Kursus hatten. Glaubt C., dass unsere Selektaner erst in ihrem 17. oder gar 18. Lebensjahre die Haphtaroth kennen lernten oder Kapitel wie Jes. 1 — 14, Jer. 1 — 9 etc.? Noch einmal sei hervorgehoben, dass schon in der ersten Klasse (im zweiten Jahr des Kursus) Jes. Kap. 43—63 und Hiob Kap. 1—31 als Pensum genannt werden. Jünglingen in der Oberprima hält man keine Vorträge über Tenach. Für die 2 Stunden — so viele waren es — hatten sie freilich tüchtig zu arbeiten. Niemand von ihnen hatte je noch Privatunterricht in Tenach ausserhalb der Schule oder nahm an irgend einem Kursus teil. Und dennoch sind aus der Selekta Kenner des Tenach hervorgegangen — ich habe in einem Briefe an C. ihm eine stattliche Zahl mit Namen genannt, die ich verdreifachen könnte. Und wenn ich all die selbständigen Erklärungen, die diese Jünglinge im Unterricht gegeben, mir aufgeschrieben, es würde eine ganz ansehnliche Sammlung wertvoller exegetischer Beiträge abgeben. Zugestehen will ich, dass der Talmudunterricht stets die schwache Seite unserer Schule war. Vor allem aus Zeitmangel. Weder war die Opferfreudigkeit der Eltern vorhanden, ihre Kinder ausserhalb der Profanschule, die damals an die Hausarbeit noch ganz andere Ansprüche stellte, und neben den 8 Stunden der Religionsschule täglich 2 Stunden lernen zu lassen, wie das C. aus Hamburg berichtet, noch hätten die weiten Entfernungen in Berlin das ermöglicht. Meiner besonderen Freude will ich aber über jenen Bericht aus meinem lieben Hamburg Ausdruck geben. Es bedeutet einen gewaltigen Fortschritt gegenüber meiner Zeit. Ob freilich die Intensivierung des Talmud Unterrichts unter fast völliger Vernachlässigung der Kunde von נביאים und כתובים, wie sie heute allgemein beliebt wird, für die Erziehung der Jugend in Deutschland — wo der Ersatz durch ein Einleben in unsere gesamte jüdische Geisteswelt wie im Osten nicht gegeben ist — doch nicht ihre Gefahren für die rechte Einstellung zum Wesen des Judentums in sich birgt, darüber müsste man eine ganze Abhandlung schreiben.