Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 130 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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130 Zweierlei Schulformen usw. gleichmässig dafür reif zu machen. Sogar wenn solcher Unterrieht in den zwei höchsten Klassen obligatorisch war, so gelangte eben nur eine auserlesene Schar in diese Regionen, die eben ihr Pfund von anderswo geholt, ihre Befähigung im mühseligen Einzelunterricht erlangt hatte. Es gibt, wie ich schon einmal schrieb, keinen Königs weg zum Talmud. Da lässt sich nicht zaubern und hexen. Wenn nun auch in Einzeifällen die besondere intellektuelle Veranlagung eines Schülers die sprachlichen Schwierigkeiten, den Mangel der ״Girssa“, überspringen hilft, so bleibt es eben immer einer, dem die inneren Schlüssel ausgehändigt sind, aber nicht die äutseren, die formalen; wie ein Dieb kommt er ins Haus, indem er die Zäune auf fremden Schultern überkletterte, er kann aber niemals in diesem Haus des Talmud wie ein Eingesessener ein- und ausgehn. Man mag reden, soviel man will, das ״Lernen“ ist vor allem eine Zeitfrage. Ich nehme das von Wohlgemuth angezogene Selektapensum als Beispiel. In der Bibel sind 122 Kapitel der Propheten gelesen worden. Rein äusserlich erscheint es mir unmöglich, in einer Stunde mehr als ein Kapitel durchzunehmen, zu übersetzen und zu erklären, wenn auch im Jirmijah einzelne Partieen sprachlich sehr leicht fasslich sind. Dafür aber ist Jes. 1—36 ungeheuer schwer, inhaltlich und exegetisch; fast ebenso schwierig ist Ezechiel. Wie man ein Kapitel wie Jes. 24 oder 25 in weniger als drei Stunden vermittein will, wäre mir ein Rätsel. Es müssen also mindestens 200 Stunden dem Tnach im Jahre gewidmet worden sein, d. h. mehr als 4 Wochenstunden. Jetzt kommt der T.al mudlehr er, der 36 Doppelseiten mit Tossaphot erledigt haben soll, der ferner die ganze Mischnah Moed gelehrt haben will. Bei 6 Wochenstunden mag das möglich sein. Aber soviel Zeit steht eben selten zur Verfügung. Dann bot die Selekta ganz gesiebtes Schülermaterial und nur eine kleine Gruppe. Diese opferte willig ihre Abende der Vorbereitung und Wiederholung, weihte jede freie Zeit diesem Lieblingsstudium. Das alles stellt ״Versuchsbedingungen“ dar, die in einer Schule so gut wie nie