Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1926-03-01 · Heft 3-4 (März 1926) · p. Seite 129

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 3-4 (März 1926)
Date
1926-03-01
Page
Seite 129 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2293042-2293045--08183-2301465
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zweierlei Schulformen usw. 129 bei vielen oder gar den meisten Schülern in praktischer Religi03ität ein Rückfall erfolgt, das liegt an der grossen Versuchung des bürgerlichen Berufslebens wie an dem wachsenden Einfluss des torafremden Milieus. Alle Schulen der Welt erziehen zur Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit; wie wenige darin gefestigte Charaktere aber zeigt nachher das Leben?! Der Glaube an die Allmacht der Erziehuug muss den Pädagogen erfüllen; sonst fehlt seinem Berufe Sinn und Fundament. Aber die Wirklichkeit lehrt stilles Bescheiden. Ich frage nur nach dem Erfolg in der Lehre, nach dem Ausmass jüdischen Wissens, das vermittelt und Besitz, dauerndes Eigentum wurde. Meine Erfahrung hat mich nicht gelehrt, dass die Gemeinde ״ehemaliger Religionsschüler״ viele Lamdonim aufwies. Wissen erfordert ständige Uebung, immer erneute Aneignung und Vertiefung. Die profane wie religiöse Bildung versinkt unter der Wucht der täglichen Arbeit und ständig neuer Vorstellungen langsam, langsam unter die Schwelle des Bewusstseins, und wenn sie auch nicht ganz verloren und unwirksam werden, bleiben sie doch kein lebendiges Gut, das den Menschen wie ein schützender Engel begleitet. Im jüdischen wie im allgemeinen Kreis halten nur vereinzelte treue Wacht an dem kostbaren Schatz der Schulweisheit. Die jüdischen Schulen — jetzt rede ich allgemein — leben aber meist in einer dauernden Selbsttäuschung. Sie schreiben sich alle Erfolge an den Kindern zu, und nehmen als Masstab die hervorragenden und besten Zöglinge ihrer Klassen. Diese aber kommen bereits vorbereitet in den Unterricht und erhalten im Hause ständige Förderung. Wird das Chumosch in der Klasse doziert, so sind viele Knaben, die es längst durchübersetzt haben, für die nur eine vertiefte Repetition gegeben werden kann. Es gehört alle pädagogische und wissenschaftliche Fähigkeit dazu, diese Kinder vor Langeweile, vor dem Gefühl des Gehemmtwerdens im dauernden Fortschritte zu bewahren. Besonders zeigt es sich im Mischnah- und Talmudunterricht, der auch in der Berliner Religionsschule sich meist in fakultative Kurse flüchten musste, weil es der Schule nicht gelang, alle

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.