Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 128 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Zweierlei Schulformen usw 128 Was der Religionsschule der Adass Jisroe! ihre Kraft und Stärke gab, war in der Tat, dass sie Uebungsschule des Rabbinerseminars war. Ihre Lehrer brachten leidenschaftliche Liebe uud Jugendlust mit. Alle Menschen bis zum 24. Jahre sind Genies, sagt Herrmann Grimm einmal; auch jene Kandidaten des rabbinischen Berufs brachten einen köstlichen Elan mit, gesteigert durch das ״Entdeckertum“ ihrer Tätigkeit, da sie die Seele des Kindes, den ewigen Neubruch der Menschheit, entdeckten, da meist ganz eigentlich erst die Bibel selbst und die jüdische Wissenschaft in ihrer grössten Kraft aus Kinderaugen ihnen zum Bewusstsein kamen. Es war an dieser Schule daher nichts vom senilen Mechanismus des Lehrbetriebes: der Mehltau des Einerlei und des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr, die den Lehrer langsam erstarren lassen, hatten ihre lähmende Wirkung hier nicht üben können. Die schönste Folge war ein wunderbares Verhältnis von Schüler und Lehrer; eine gegenseitige Herzensaufgeschlossenheit, da Jugend sich an Jugend entzündete. Eine religiöse Zweifelsfrage, ein exegetisches Problem bewegte beide Parteien gleichmässig stark, als wenn Vater und Kind durch beiden ungekannte fremde Länder wandern. Daher noch viele pädagogische ״Wunderkuren״ gelangen; die Schüler verglichen ihre ״Pauker“ von der Staatsschule mit diesen seelenvollen enthusiastischen Freunden, und warfen sich diesen jubelnd an die Brust. Etwas von der Kraft der Jugendbewegung besass diese Religionsschule, sie überbrückte alle Gegensätze und Konflikte und riss die Kinder in den Strom jüdischer Begeisterung hinein. Das war etwas Grosses und Schönes, eine Probe auf die Werbekraft der Tora. Aber es ging eben nur, weil das Rabbinerseminar eine unerschöpfliche Quelle junger Kräfte war; es lässt sich anderswo nicht nachahmen. Dieses sollte sich, wenn ich raten dürfte, in der Tat selbst eine solche Uebungsschule in eigener Regie schaffen; es wird für die angehenden Rabbinen ebenso vorteilhaft sein, wie ein Gewinn für die Berliner Jugend. Aber eine gewisse Skepsis gegen die berichtmässigen Erfolge des Unterrichts kann ich leider nicht unterdrücken. Dass