Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 120 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Konfessionelle Schnle nsw. 120 Geschichte mag doch erzählt werden zur Illustration, wie ängstlich man darauf bedacht war, dass die homöopatisch zugebilligten Dosen nicht etwa gesteigert würden. Die Auflösung de3 gesamten Inhalts der Offenbarungslehre in reines Menschenwerk, die radikalsten Theorieen der Bibelkritik, die Unverbindlichkeit der Speisegeseize, des Arbeitsverbots am Sabbath usw. durften natürlich gelehrt werden. (Der m. W. seiner Zeit einzige offiziell angestellte Religionslehrer der Gemeinde durfte die religiösen Gefühle der Schüler und Schülerinnen auf das gröbste verletzen, über den Sederabend spötteln u. s. w.). Da waren nun aber einmal in einem Cötus ein paar Schüler, die besonders weit vorgeschritten waren, und der thoratreue Religionslehrer, übrigens ein Pädagoge von Ruf, las mit ihnen R. Bechais חיכות הלבבות. Darob Entsetzen bei den Häuptlingen, und der Herr wurde zum peinlichen Verhör vorgeladen. Er kam diesmal noch mit einem Verweis davon, ob seines ungeheuerlichen Verstosses gegen den Lehrplan! Und neben diesem öden Bürokratismus und würdelosen Aesimilantentum das frische, geistige Leben in der so verpönten Gipsstrasse. Eine Schule von oft nahezu 700 Kindern mit diesem Lehrerkollegium und solchen Lehrei folgen, das war ein Stachel, der selbst den verbissensten liberalen Gemeindehäuptling nicht zur Ruhe kommen liess, mochte er es auch öffentlich nie zugeben. Einer der hervorragendsten geistigen Führer des Liberalismus hat mir auch das einmal gestanden, er, der doch das Wort geprägt: das Hildesheimersche Seminar liegt in der Gipsstrasse aber nicht in Berlin. Der objektive Berichterstatter darf freilich nicht verschweigen, dass es auch trübe Zeiten gegeben, dass das Lehrerkollegium manchmal nicht homogen gewesen, dass Jahre hindurch junge Leute, die selbst mit sich rangen, beschäftigt waren, die, wenn sie auch Takt genug besassen, ihre religiösen Zweifel nicht vor den Schülern aufzudecken, doch naturgemäss keinen rechten Segen stiften konnten. Ist doch einer als Prediger bei der Reformgemeinde in der Johannisstrasse gelandet. Es bedarf