Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 113 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2292929-2293042-2293045--08167-2301449- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Konfessionelle Schule usw. 113 Wir beginnen mit der Religionsschule, die gegenüber der konfessionellen höheren Schule (und nur von dieser, nicht von der Volksschule soll die Rede sein) noch so sehr bei uns im Uebergewicht ist, dass diese im Verhältnis zu jener kaum zählt. Anstatt nun das Charakteristische der Religionsschule und das für sie Wünschenswerte in abstracto herauszuheben, will ich einen Spezialfall vor Augen führen und in ihm das im Rahmen des Gegebenen nur irgendwie erreichbare Ideal zeichnen. Es ist zugleich die Abstattung einer Dankesschuld an eine Institutic-n, an der mir lange zu wirken vergönnt war. Wenn ich bei der Geschichte dieser Institution — es handelt sich um die Religionsschule der Adass-Jisroel-Gemeinde zu Berlin — länger verweile, so mag das dem Umstand zugeschrieben werden, dass sie nach verbürgten Nachrichten zum 1. April ihre Pforten schliessen will. Mir gilt das, nach den Auswirkungen, die diese Schule auf die Entwicklung des Religionsunterrichts in Deutschland geübt, als ein Ereignis von geschichtlicher Bedeutung. Unsere Religionsschule (so sei sie der Kürze halber immer genannt) ist nicht aus prinzipieller Neigung für diese Schulart von dem Gründer Israel Hildesheimer ins Leben gerufen wT0rden. Ihm war in dem Beispiel der Frankfurter Hirsch’schen Realschule schon ein höheres Vorbild gegeben. Sie war ein Kind der Not. Für den kleinen Kreis, der sich damals um Hildesheimer scharte, der auch nach seiner inneren Konsolidierung nicht mit dem in Frankfurt zu vergleichen war, konnte an den Plan einer höheren Schule, nur eine solche kam auf Grund der sozialen Stellung der Mitglieder in Betracht, nicht gedacht werden. Es ist oft geschildert worden, wie der grosse Mann, einer der bedeutendsten Vorkämpfer unter den Helden der Gegenreform, es nicht verschmähte, durch Unterricht auch in den unteren Klassen, sein Werk über die ersten Fährnisse hinwegzuhelfen. Weniger bekannt ist, dass viele seiner grossen Mitarbeiter und Nachfolger — man kann so ziemlich sagen: die meisten derer, die in dem letzten halben Jahrhundert an führender Stelle für das thoratreue Judentum gewirkt, sich als Lehrer an dieser Schule ihre Sporen verdient, den Grund gelegt