Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 112 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Konfessionelle Schule usw. 112 ©s wohl nirgends die Rabbiner und Lehrer sind, die sich dem entgegenstellen würden. Der Widerstand geht zumeist von den Eltern aus. Aber wäre nicht die Beeinflussung der Alten, die doch in allen möglichen Fragen verzettelt wird, auf dies Ziel zu lenken?! Wie die Dinge heute liegen ist das wohl eine Utopie. Die einzige Rettung böte die Autonomie des Schulwesens. Wie könnten wir da aus dem Vollen schöpfen, wenn der Staat nicht für jedes Jahr, ja für jede Woche und jeden Tag möchte man sagen, Lehrer und Schüler in Ketten legte, wenn er, müssen nun einmal vom Staate diktierte Endziele und Berechtigungen das Leben der Bürger gängeln, nur über diese selbst einen Ausweis forderte und die Wege, wie man zu diesem gelangt, völlig frei gäbe. Zweifelt jemand daran, dass die Schüler, die die Bibel im Urtext meistern gelernt, spielend mit dem anderen fremdsprachlichen Unterricht fertig würden, dass die, die in den höheren Klassen an talmudischen Diskussionen sich geschult, mit viel weniger Aufwand von Zeit die Fächer der Oberstufe bewältigen könnten? Doch auch das ist in unserem trotz der Verfassung von Weimar christlichen Staat eine Utopie! Und, wenn man es recht besieht, können wir auch dafür kein Verständnis erwarten. Dem Protestantismus, der die religiöse Betätigung von Religionswegen auf ein Mindestmass eingeschränkt hat, genügen jene zwei Stunden völlig. Er muss in den höheren Klassen schon zu Stoffen greifen, die mehr zur Religions Wissenschaft gehören als zur Religion. (Nicht zu verwechseln mit unserer Religionswissenschaft, die Wissen von unserer Religion bedeutet und erst die breite Grundlage abgibt, auf der unsere religiöse Betätigung sich aufbauen kann.) Und dem Katholizismus genügt die konfessionelle Schule. So bleibt auch uns nur ein Ersatz. Nicht ein so minderwertiger wie es jener geschilderte Religionsunterricht ist, doch immer nur ein Ersatz. Mit ihm müssen wir uns abfinden. Und die Frage ist nur: Konfessionelle Schule oder Religionsschule?