Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 111 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Konfessionelle Schule usw. 111 Ganzheit in sich aufgenommen haben, ■was unser Leben ist und die Dauer unserer Tage. Denn heute geht es nicht allein um den Kampf gegen jenen destruktiven Religionsunterricht, ־wie er in der Epoche der stärksten Assimilationsbestrebungen beliebt war, es geht nicht so sehr um die Abwehr gegen jenen katechetischen abstrakt-rationalistischen Firlefanz der verspäteten Nachbeter der Aufklärung, es geht um die Frage: Darf der Wahn aufrecht erhalten werden, dass jüdische Religion, eine Religion, deren religiöse Quellen sich auf drei und ein halb Jahrtausende erstrecken, eine Religion, die jeder Form der Lebensbetätigung ihre Richtung gibt, eine Religion, die in so unübersehbarer Zahl gewaltige Vorbilder bat erstehen lassen für den Dienst am Grössten, am Heiligsten, darf — sage ich — der Wahn aufrecht erhalten werden, dass diese Religion den Kindern unseres Volkes in einem so dünnen Rinnsal zugeleitet werden könnte, wie es in jenem zweistündigen Religionsunterricht geschieht?! Und es sind ja nicht einmal zwei gute Stunden regelmässigen, rechten, ernst genommenen Schulunterrichts. Da müssen 2, oft 3 Klassen kombiniert werden. Da werden die Schüler unter nichtigen Gründen dispensiert, da wird der Religionsunterricht oft mit dem vierzehnten Jahr als abgeschlossen angesehen. Es gibt wohl keine grössere 'Tragikomödie als die Lehrpläne, die für diesen ,Religionsunterricht* aufgestellt werden. In dem Bewusstsein, dass unter einer allzu starken Beschneidung des Unterrichtsstoffes der jüdische Religionsunterricht zur Farce würde, — und diese Ueberzeugung ist auch in weiten liberalen Kreisen verbreitet — werden Pensen in Aussicht genommen, deren Bewältigung ausser aller pädagogischen Betätigung liegt. Aber das Papier ist geduldig, und in jedem Jahr besieht sich der Leiter oder der Lehrer den Schaden von neuem und erhofft für das folgende Semester das Wunder. Ob es nicht doch möglich wäre, wenn mit aller Wucht von allen, die es angeht, für diese Lebensfrage des Judentums gekämpft würde, eine wirklich ins Gewicht fallende Erhöhung der Stundenzahl zu erzielen? Ich weiss freilich, dass