Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1926)
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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110 Konfessionelle Schule usw. als Träger der Offenbarungslehre Entscheidendes sagen, von Ewigkeitswert sind. Jene Rede ist eine grosse Anklage gegen den ״Religionsunterricht“, wie er im vorigen Jahrhundert im Schwange war. Keiner hat mit so zündenden Worten gezeigt, welch schwächliche und schmähliche Ersatzreligion der Jugend geboten wurde, die dem Volke der Religion entstammte, in dem Wissenschaft das Wissen von der Thora war und Leben ein Leben war im steten Hinblick auf das Religionsgesetz in all seinen Abzweigungen. Und dies Motiv klingt uns aus allen Reden und Schriften der Getreuen entgegen, die sich der Reform entgegenstellten. Sie alle giessen je nach Temperament und Anlage die Schale des Zornes oder des Spottes aus über die, die in zwei kümmerliche Stunden allwöchentlich in wenigen Jahren die Fülle des Stoffes und die gewaltige, seelische Einwirkung pressen wollen, die in vergangenen Zeiten ein Jahrzehnt hindurch an jedem Tage von morgens bis abends erarbeitet wurde. Diese Anklage ist noch heute so aktuell, wie in den Tagen, da im Kampfe um das thoratreue Judentum die ersten Schlachten geschlagen wurden. Vor mir liegt ein Buch über den jüdischen Religionsunterricht2), ein gutes Buch, von einem thoratreuen Rabbiner geschrieben, der, einst aus dem Lehrerstande hervorgegangen, Jahrzehnte hindurch an höheren Lehranstalten den Religionsunterricht erteilt hat und allgemein-pädagogisch treffliches bietet, wie er auch über die Behandlung der einzelnen Fächer je nach den Unterrichtsstufen Wertvolles zu sagen weiss. Man sieht auf jeder Seite: Hier ist das Resultat einer langen Lebensarbeit gegeben, die sich immer von neuem bemüht und alles erprobt. Und doch! Wie ärmlich ist der Eindruck des Ganzen! So ausgezeichnet auch das Wie der Behandlung sein mag, an der kläglichen Enge des Was muss jeder Versuch scheitern, Menschen zu erziehen, die Volljuden in unserem Sinne sind, VoBjuden, weil sie durch das rechte Wissen und Fühlen das in seiner 2) J. Rosenberg ״Methodik des jüdischen Religionsunterrichts“, C. Boas Nachfolger, Berlin C 2, 1924.