Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2292929-2293042-2293044--08132-2301414- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
96 Zwei Welten dass in manchen Gegenden die Frau und alles, was sie betrifft, in einem eigenen Lichte angesehen wird/ die mit dem Geiste der Bibel und des Talmuds in dieser Hinsicht nichts gemein hat. Wenn noch heute die Sitte vielfach herrscht, dem Mädchen gleich nach seiner Verheiratung das Haar völlig abzuschneiden, sodass der Kopf völlig kahl und blank erscheint, so stehen wir verständnislos vor derartigen Sitten. Dass sie irgendwie für uns Pflicht, dafür ist der Nachweis aus den Quellen Bibel und Talmud nicht zu erbringen. Doch wir wollen nicht den Richter spielen. Wir haben genug Anlass bei uns selbst Umschau zu halten, wo nach der entgegengesetzten Richtung hin gesündigt wird. Aber wir dürfen es uns ebenso verbitten, dass die Art, wie sich hei uns die Stellung zur Frau herausgebildet hat, zum Gegenstand der Kritik von jener Seite gemacht wird. Wir sprechen natürlich immer nur von den thoratreuen Kreisen und hier wiederum nur von denen, die eben wahrhaft thoratreu sind und der Mode nicht Konzessionen machen, die jeder Keuschheit ins Gesicht schlagen. Aber es beginnt sich ein Typ junger.Männer heraüszubilden, die jene Art des Chassidismus zum Vorbild nehmen. Zumeist עמי הארץ von hohen Graden, unfähig auch nur das leichteste Blatt גמרא zu lernen, ja auch nur irgendwie einen דין aus seinen Quellen zu begreifen, bewahrheiten sie in erschreckender Weise das אין בור ירא חטא ולא עם הארץ חסיד. Den Chassid lassen wir uns mit allen den Zügen, die uns fremdartig und unverständlich erscheinen, gefallen. Er ist eine Persönlichkeit aus einem Guss, für ihn steht das Jüdische im Zentrum seines Denkens und Fuhlens. Lehre und Leben ist dort noch mehr eins als hei uns. Der deutsche junge Mann, der weder in seinem Bildungsgang noch in seinem Wesen, noch in seinem sonstigen Gebabren auch nur zur äusseren Schale des Chassid im Osten dringt, geschweige denn in den Kern, mutet da mit seinen Nachahmungen und Nachäffungen als Karrikatur an. Nun könnte man das alles als eine Modetorheit abtun, — wir sind überzeugt, dass diese ganze Sucht, dem Osten sich in