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Jeschurun · 1926-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1926) · p. Seite 95

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 95 (sequence 95)
Language
German
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Zwei Welten 95 aussen gesehen, aber nicht in sein inneres Heiligtum eingedrungen? Wir können nicht daran glaubeu. Das Feuer des Wahrheitsbekenners, das hier lodert, ist echt, wenn es auch anders glüht und leuchtet als wir es gewohnt. Vielleicht entschliesst sich Brod in einer sicher doch bald notwendigen Neuauflage zu mildern und zu verschleiern, dass wir eine ungeteilte Freude empfinden können an dieser durch die Tiefe der Gedanken und die Schönheit der Form trotz allem ragenden Schöpfung. * * * Unser verehrter Mitarbeiter hat mir in seinen Anmerkungen noch ein anderes Stichwort gegeben, auf das ich mit Ausführungen einsetzen kann, die mir nicht minder wichtig erscheinen. Er bringt aus der Legendensammlung Emil Bernhard Cohns die Erzählung von dem ״eifervollen strengasketischen Rabbi im Osten, der einem armen jüdischen Mädchen in seiner Gemeinde das Singen verbietet und es ob seiner Weltlichkeit verflucht und •es so in den Tod treibt.״ (Vgl. übrigens zu den Deutungen des יצר הרע, wie Cohn und Blau sie geben, Gen. r. 9, 6: הנה טוב מאד זה יצר טוב והנה טיב מאד זה יצר הרע וכי יצר הרע טוב מאד אתמהא אלא שאלולי יצר הרע לא בנה אדם בית ולא נשא אשד. ולא הוליד ולא נשא ונתן} Blau referiert hier ungenau. Der Rabbi sagt zu Channe nur die Worte: ״Singen ist Unzucht! Geh!“ Von einem Fluche ist nicht die Rede. Ebensowenig eigentlich davon, dass ״er sie in den Tod treibt0. Das ist mehr die Selbstanklage, unter deren Druck der Rabbi später weiterlebt, da Channe Mirel ihr ganzes Leben einschreibt, als nach dortiger Sitte bei einer lebensgefährlichen Erkrankung des Rabbi ein jeder in ein Buch die Jahre oder Monate einschreibt, die er von seinem Leben geben will, damit sie dem Leben des Rabbi zugerechnet werden. Freilich wird dies Opfer offenbar nur gebracht, weil der Rabbi durch jenes harte Wort eine keimende Liebe zu seinem Lieblingsbachur zerstört hat. Gibt es noch heute solche Typen, wie sie Cohn in seiner Legende verwertet? (Die Legende selbst spielt zur Zeit des Wilnaer Gaon). Man darf wohl sagen: ja. Ein sich völliges Zurückziehen auf die eigene Welt hat es zu Wege gebracht,

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