Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Zwei Welten Wie ist Brod unter Esau geraten? Es ist nicht das erste Mal. Auch in ״Tycho Brahe’s Weg zu Gott“, einem Roman, in dem er künstlerisch vielleicht eine noch höhere Stufe erklommen, hat er unnötiger Weise jene schwülen Szenen eingeflochten. Aber das war eben, trotz der bedeutsamen Aufgabe, die dem Hohen Rabbi Löwe für den Aufstieg Tycho Brahes zugewiesen ist, nicht eigentlich ein spezifisch jüdischer Roman. Denn das ist’s, was uns besonders schmerzt. Hier haben wir einmal einen historischen jüdischen Roman, der in Wahrheit das Werk eines Dichters ist und wir müssen uns bedenken, ihn der Jugend, ja jedem Unverheirateten zu empfehlen. Denn auch hier sind wir der sehr rückständigen Ansicht, dass so lange einmal die Frühehe nicht möglich ist und sie wird ja allem Anschein nach jetzt noch viel weniger möglich sein, als in der Vorkriegszeit, der einzige Schutz für die Sittenreinheit ist, die Hemmungen in sexualibus zu stärken und alles zu meiden, was die Phantasie in diese Richtung drängt. Eine merkwürdige Gesellschaft hat sich da zum psychoanalytischen Modeschwindel zusammengetan. Die geniale Lehre Freuds und ihre therapeutisehen Erfolge in allen Ebren. Die Aufhebung der ״Verdrängung״ die sich so trefflich bewährt hat, will aber wahrlich doch nur besagen, dass dort, wo die ״eingeklemmten Affekte“ nun einmal vorhanden sind, diese beseitigt werden. Eine schöne Methode aber wäre es, wollten wir nicht dafür sorgen, dass eben im Unterbewusstsein sich nicht so viel Zündstoff anhäuft, wollten wir nicht die Energie, die dem Geschlechtlichen innewohnt, nicht nach aUer Möglichkeit in Strebungen umwandeln, die auf anderes gerichtet sind. Doch davon ein ander Mal mehr. Wie ist Brod unter Esau geraten? Der Brod, der ״Heidentum, Christentum, Judentum“ schrieb, der dort dem Geh. Kirchenrat Siegfried heimleuchtete für die unreinen Phantasien, mit denen er unser Hoheslied besudelte. Sollte es doch so sein, wie unser Kaplan זצ״ל in der Besprechung, die er diesem Werke widmete J) ausgeführt, dass Brod das Judentum nur von J) (מבית למחוץ (אל מול ספר ודויו של מכס ברוד Jesch. VIII Heft 1112־ hebräischer Teil.