Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2292929-2293042-2293044--08127-2301409- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zwei Welten 91 Legendäre, das Geheimnisvolle, mit dem mancher Brauch vom Volks- und Kinderglauben umgebeD. Etwas übertrieben phantastisch die Gestalt Gersons, des emeritierten Messiasanwärters, unwahrscheinlich die des Schullehrers Hirschl, so sahen schwerlieh die Männer aus, denen es gelungen, sich bei der Weisheit der Völker zu Gaste zu laden. Melchizedek-Typen sind Kinder des modernen Ghetto. Aber zur Aus- und Verbildung des Charakters Reubenis gut verwertet. Ein Prachtstück die Schilderung der Ratsversammlung. Ja, so waren und so sind sie noch heute unsere lieben Brüder, und nur das eine, in seiner tiefen Symbolik auch von Brod gewertete versöhnende Moment: Wenn sie sich zum Minchagebet stellen, dann sind sie eine Einheit. So könnte ich noch stundenlang erzählen von all den Schönheiten und den auch in ihren Schwächen noch fesselnden Zügen des Werkes. Aber — und nun folgt das grosse Aber, das mich sehr weit trennt von meinem verehrten Mitarbeiter: Zuerst: Musste wirklich die Gestalt der Monica eingeführt werden? Der erste Teil ist ja reine Dichtung, kein Wort davon ist wirklich historisch begründet. Ich leugne durchaus, dass die Wirksamkeit Reubenis im zweiten Teil nur erklärlich wird durch die Liebe zu jenem Christenmädchen und all das, was damit zusammenhängt. ״Der Weltmann und der seigneuriale Politiker“ hätte auch aus anderen Berührungen mit der nichtjüdischen Welt erstehen können. Die grossen Staatsmänner und Politiker des mittelalterlichen Judentums haben in dieser Beziehung Reubeni nicht nachgegeben, nennen wir nur einen: Abarbanel, ohne dass sie vorher durch all den Schmutz gewatet sind. Bleibt nur die Sinnen- und Weltfreude, die Selbstsicherheit, das Zerhauen einer Schwierigkeit ohne das Bleigewicht langen schwankenden Sinnierens, die Fessellosigkeit, das Erdenleichte, das Spielerische usw. all das, was unser verehrter Blau uns aufzählt. Auch da zweifle ich keinen Augenblick, dass ein Dichter wie Brod durch Einführung von entsprechenden Typen aus der nichtjüdischen Welt, von Gelehrten und Künstlern, von grossen Kaufleuten und Kriegern, Reubeni auf denselben