Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 90)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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90 Zwei Welten Doch Dicht das Einzelne, die ganze zweite Hälfte des zweiten Teils führt die Dialektik Reubenis in seiner Entwickelung als Individuum und in seinem Wirken für sein Volk ad ahsurdum. Nein, das predigt fast jede Seite hier: aus Bösem kann nicht Gutes kommen, vor allem eben nicht für das jüdische Volk, dessen Lebensblut eben die Wahrheit ist, trotz aller unter dem Druck und der Verfolgung sei es bei einzelnen oder auch in der Masse hervorgerufenen Seelenverkrüppelung und Naturentfremdung. Darum fliegt alles jener reinen Seele zu, die in Molcho die Wahrheit verkörpert, die aus dem Umgang mit den Heroen der Halacha und Kabbala die Säfte und Kräfte des reinen Judentums gesogen, der die Lüge und Verstellung so unfassbar, dass sie das Bekenntnis all der Frevel, die Reubeni begangen, alles Lug^ und Trug, nur als ein auf die Probe stellen zu begreifen vermag. Einsam und gebrochen ist Reubeni. Nicht so sehr durch den Misserfolg. Nein, durch die Erkenntnis, die ihm aufgeht, dass sein Weg eben nicht der rechte Weg und ob er politisch noch so klug. Und er wird erst wieder jung und glücklich, da er Molcho auf seinem Weg folgen kann, der der Weg der Wahrheit ist, ob dieser auch herzlich dumm und kindisch und törichte Schwärmerei. Denn es ist der Weg des Märtyrers, der grenzenlosen Hingabe, des reinen Kampfes für die Idee. Die anderen können den Leib verbrennen, aber nicht den Geist, der unsterblich weiter wirkt und am Ende der Tage dennoch und trotz allem die Erlösung bringt. So lese ich diesen Brod: Sein Werk ist die Apotheose Molchos gegenüber Reubeni, die Probe auf die Wahrheit der Deutung des Mischnahsatzes, wie sie der Vater Reubenis gibt. Bei diesem Vater lohnt es sich zu verweilen. Er ist eine Nebenfigur. Aber wunderbar gezeichnet in seiner schlichten, alles überwindenden Frömmigkeit. Wie das Milieu, das Leben im Gesetz in einem künstlerischen Roman uns hier vielleicht zum ersten Mal entgegentritt ohne die Verdrehungen und Verkehrtheiten, die Unwissenheit des Autors verschuldet oder mit denen Spott maskilischer Engherzigkeit das Reine besudelt. Auch all das agadische Gut natürlich hineinverflochten, das