Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
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Amnerkmigen zu Max Brods usw. 87 rael, als einen der ״sechsunddreissig Gerechten, um derentwillen Gott seine Welt erhält“ (S. 211). Hier scheint brutale Realistik auf die Spitze getrieben, um die Würdelosigkeit damaliger Gemeindezustände zu illustrieren. * * 5. Stilkunst: Ein reicher Bilderbogen von Orts- Schilderungen und Renaissance-Zeichnungen, das Ghetto von Prag, Venedig, Rom, jedes mit seiner eigenen Stimmung und eigenen Menschentypen (Hirschei, Gerson, der alteLämmelu. v. andere); die römische Gesellschaft in ihren feinsten Vertretern, glänzende, geistfunkelnde Dialoge (mit Hirschei, dem Papst, Machiavelli, Aretino, Molcho), Verlebendigung und Individualbehandlung der Massen (in der Rats Versammlung und der Gemeindesitzung, obwohl gerade hier der Dichter seinen Helden allzusehr als Betrachter und.Zuhörer und zu wenig als aktiven Teilnebmer einführt); stark sentenzenreiche Darstellungsform. * * * 6. Ein Nebenproblem: Eine zweite Motivreihe neben der mehr gekünstelten Auslegung des יצר הרע ist Reubenis Opposition gegen die äussere Passivität seiner Glaubensbrüder. Auch dieses dürfte ein poetischer Irrtum des Helden sein. Es gibt auch eine passive Willensenergie, die sich ganz im Geistigen ausgibt, die sich auch bei den jüdischen Märtyrern des Mittelalters in tausendfachen Formen kundtat. Diese geistigen Willensspannungen übersieht Reubeni bei seiner Umgebung. Vielleicht ist die Figur M 01 c h 0 s das Symbol dieses geistigen Aktivismus. Hier rührt Brod, vielleicht unbeabsichtigt, an das moderne Problem: die Ueberwindung des äusseren Aktivismus durch den geistigen. (Vgl. hierzu: E. R. Curtiu3, Französischer Geist im neuen Europa, Berlin 1925). Doch hierzu ein anderes Mal mehr. ״Die Romane“, sagt Friedrich Schlegel (Curtius, 1. c. S.128), ״sind die sokratischen Dialoge unserer Zeit.“ Dies mag zur Rechtfertigung vorstehender etwas weit ausholenden Betrachtung dienen.