Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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86 Anmerkungen zu Max Brods usw. äusseres Beiwerk, um seine Gewissensskrupel einzuschläfern), um später auf dem Schlachtfelde der Welt sich bewähren zu können. Durch blosse Ueberlegung und Besinnlichkeit wird man kein Mann der Tat, kein Welt Überwinder. Und dass Monica, ein leichtfertiges Mädchen, doch keineswegs Dirne, seine erste Lehrmeisterin in der Weltüberwindung gewesen, das ist, meine ich, keine Unehre für ihn: In den damaligen Verhältnissen konnte nur eine ausserhalb der Gesellschaft Stehende sich zu einem Judenknaben herabbeugen, einen Ghettojüngling aus der Enge erlösen. Und schliesslich, ein so unedles Gefäss für die Erziehung des Helden zum tätigen Leben kann ich in ihr nicht finden; im Gegenteil, Grazie und Jugendlust und sogar Feingefühl und rührende Liebe zu dem verfolgten Judenstamme kann man ihr nicht absprechen, sie rettet durch ihren Schritt ihren Geliebten und sein Volk und sich. Allerdings sie läuft mit einem andern auf und davon, als sie an ihrem Judenjüngling im entscheidenden Augenblicke feigherziges Zurückweichen vor der Gefahr des Ertrinkens bemerkt, das ist eben auch ihrer Natur adäquat, duldende Treue ist nicht ihre Sache. Dieses Sinnengeschöpf trägt seine Berechtigung in sich selbst, der Dichter hat ihre Gestalt glaubhaft, bildkräftig und dramatisch wahrscheinlich gezeichnet und zwingt uns in ihren Bann. * * * 4. Die wunderbare Errettung der Gemeinde: Unerquicklich und am schwersten zu rechtfertigen ist nach meinem Empfinden das Schauspiel im ersten Teile, wie die jüdische Gemeinde nach ihrer Errettung durch die schimpfliche Hingabe des Christenmädchens an den Burggrafen von Prag in masslosen Jubel ausbricht, trotz des freien Bekenntnisses David Reubenis von seiner Mitschuld und Schande. Fast liest es sich wie grause Ironie, wie bitteres Satyrspiel. Eben noch in verzweifelter Ratlosigkeit, stürzt sich die ganze Gemeinde in turbulente Belustigungen und laute Dankgottesdienste. Ist das wahrscheinlich? Hätte da nicht, wenn schon nicht Fasten und Trauern, so doch würdevoller Ernst und stille Freude sich eher geziemt? Die Gemeinde feiert Reubeni als Retter in Is-