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Jeschurun · 1926-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1926) · p. Seite 85

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 85 (sequence 85)
Language
German
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Admerkungen zu Max Brods usw. 85 Oekonomie des Werkes, die darunter leiden. Es ist n. m. A. nicht zu leugnen, dass der erste Teil an empfindlichen Längen leidet. Brod wollte im ersten Teil einen Entwicklungsroman schreiben, und im zweiten einen historischen, und so klaffen die beiden Teile auseinander und es fehlt die Symmetrie im Aufbau. Der erste Teil ist viel zu individualistisch, sowohl stilistisch wie gedanklich, viel zu nervös-modernistisch und monologisch - betrachtend gehalten, um als historischer Roman im besten Sinne zu wirken. Der Jüngling David Lemel, später Reubeni, hat mehr Elemente vom Prager Studenten, der selbstquälerisch und sich zerfasernd seinen heimlichen Liebesabenteuern nachgeht, als dem sich befreienden, zielsicheren zukünftigen Volkserlöser gut tut. Der Dichter tut allerdings sein Möglichstes, um die epische Breite der Schilderung seines Verkehrs mit dem Christenmädchen zu motivieren. Was findet der freiheitsdürstende Jüngling bei der Christin? Was wohl anderes als das, was ihm fehlt, den unbekümmerten Mut, die Sorglosigkeit, die Naturhaftigkeit und spontane Animalität, das Glück ohne Reue, die rasche Entschlussfähigkeit und die Skrupellosigkeit, immer das zu tun, wonach ihr Gelüste steht, die Fessellosigkeit, das Erdenleichte, Spielerische, kurz, das Gegengewicht für das, was er unter seinen Ghettobrüdern und in sich nicht findet, das feste Zugreifen und Zerhauen einer Schwierigkeit ohne das Bleigewicht langen, schwankenden Sinnierens. Die Schönheit, die blendende Trunkenheit der Buhle Welt zieht ihn in Monica an, er lernt durch den Umgang mit ihr die Leichtigkeit und weltumspannende Sinnenfreude, die ihm für seine spätere Aufgabe als Weltmann und seigneurialer Politiker unentb ehrlich ist. Wer diese Sinnlichkeitsperiode Reubenis als störend empfindet, der hat die ganze Anlage dieses R e n a i s - sance-Vollmenschen nicht genügend in Betracht gezogen. Er muss aus allen Brunnen der Sünde getrunken haben, durch die Feueresse der Liebe durchgegangen sein, er muss die Sinnenlust, die Stumpfheit, die Tatenlosigkeit in sich überwunden haben (die Verbrämung mit Talmudzitaten ist nur

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