Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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84 Anmerkungen zu Max Brods usw. dies etwa im Plane des Werks liegen, wollte Brod auch hier die Leitidee herausarbeiten, dass das Walten des צר הרע', des sinnlich Bösen, in Gottes Weltenfürsorge zum Heil und zur Rettung einer ganzen Gemeinde ausschlagen könne? ״Soll gar die Errettung der קהלה durch eine זונה (so schreibt mir der Herausgeber dieser Blätter) — denn als solche wird sie doch geschildert und als solche zeigt sie sich später, wie sie mit dem andern durchbrennt — als Beispiel gegeben werden, dass: בכל לבבך, אפילו ביצר הרע gemeint ist?“ Wenn schon als höchster Ausdruck des יצר הרע das עריות gezeigt werden soll, dann hätte es der Dichter wenigstens nicht mit solcher Absichtlichkeit, mit mehr Geschmack und Andeutungskunst vorführen sollen. Kurz, es fehle diesen Schilderungen das צניעות, das man bei einem Dichter von hohen Graden und Denker von ״Heidentum, Christentum, Judentum“ doppelt schmerzlich empfinde. Was ist hierauf zu erwidern? Ich möchte nicht mit sattsam bekannten Schlagworten wie Dichterfreiheit, Verschiedenheit von bürgerlicher und dichterischer Moral-Auffassung erwidern, dass das Kunstwerk als absoluter Selbstzweck amoralisch und jenseits von landläufigem Gut und Böse seine eigenen Gesetze befolge, dies ist alles selbstverständlich und bedarf für den Leser von Urteil keiner besonderen Erörterung.— Entscheidend erscheint mir die andere Frage, nämlich die des Geschmacks und der inneren Wahrhaftigkeit. Dieses Gesetz des guten Geschmacks und der inneren Wahrheit darf kein wahrer Dichter überschreiten. Und ich behaupte: Max Brod hat sie nicht überschritten. Was sagt der Vorwurf? Viele Szenen im ersten Teil sind abstossend, obszön, unkeusch, Ich habe es nirgends gefunden, nirgends konnte ich finden, dass die Linie der Schönheit überschritten ist, selbst nicht bei der Schilderung der ersten Begegnung und Vereinigung Monicas mit Reubeni. Ich finde keine Szene, die nur der Sensation halber, um etwa schüpfrige Neugierde zu kitzeln, geschrieben wäre. Zugegeben sei, das die Liebeszenen viel zu viel Platz einnehmen. Doch dieser Umstand ist keine Frage des Geschmacks oder der Gefährdung der Moral, sondern der Komposition und