Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Anmerkungen zu Max Brods usw. 83 kennt und auf dessen Befriedigung ausgeht, der Gemeinschaft weder kennt noch sucht, ein Einsamer, der Welt und Gemeinschaft im Grunde verachtet, der sein Wissen um die menschlichen Leidenschaften dazu ausnutzt, um Menschen und Dinge zu heherrschen, ein König der Lüste, der, seine Umgebung und selbst den Herzog dämonisch berückend, zu frevelnder Vermessenheit aufsteigt, um schliesslich als Einsamer, doch Ungebeugter zu sterben. Hingegen Reubeni, von edelsten menschlichen Anlagen, eine Prometheusnatur, ein Zweiseelenmensch, der an dem Widerspruch zwischen Schein und Sein, zwischen Begierde und Selbstentäusserung, zwischen Menschenverachtung und grenzenloser Liebe zürn angestammten Volke, zwischen kontemplativem und machterfülltem Leben leidet und andere leiden macht, der alle Wonnen und Wehen des Volksführers durchkostet, der sein Lebenswerk an dem Konkreten und Kleinlichen der Menschen und Dinge zerschellen sieht — alles in allem ein Bild der Erhabenheit und des Heldentrotzes, ein Bild des Vollbewusstseins schöpferischer Kraft, auch im Irrtum und Betrug von grossem Wurf, ein tragischer Held, dessen Betrug eben durch das Grandiose und Edelmütige des Wollens liebenswert wird — so steht er da als eine Figur, die zu den wenigen ganz grossen und erzgegossenen Brod’scher Romankunst gezählt werden muss. * * * 3. Das sexuelle Problem: Viel zu denken gibt dem Leser die breite Behandlung erotischer Szenen zwischen dem jugendlichen Reubeni und dem Christenmädchen Moni ca (im 1. Teil des Romans). Man nimmt Anstoss an dem weitschweifigen Liebesepisoden, die scheinbar für die Entwicklung des Helden ohne grosse Bedeutung sind und die unnötig dem Werke den Beigeschmack des Lüsternen leihen, schlecht passend zu dem hohen Gedankenflug des zweiten Teiles. Namentlieh erregt es höchstes Befremden, dass der Dichter die Errettung der Prager Gemeinde aus höchster Gefahr der Austreibung durch die körperliche Preisgabe der christlichen Geliebten Monica an den Burggrafen von Prag erfolgen lässt (auf diesen Punkt kommen wir später gesondert zurück). Sollte