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Jeschurun · 1926-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1926) · p. Seite 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 82 (sequence 82)
Language
German
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82 AnmerkuDgen zu Max Brods usw. auf weltliches Tun und Trachten, auf das Anhören weiblicher weltlicher Singstimmen und Plaudereien gedeutet. Der Rabbi wird erst glücklich und vollendet erst seinen Lebenskreis, nachdem er die höhere Bestimmung, den Sinn für das Sinnenfreudige, erkennt und entdeckt, ״mit den Kindern singt, Bräute glücklich macht und ein Vater wird den Witwen und Waisen, sodass sein Name gross wird im Lande״. Hier bekommt unsere Mischnastelle einen etwas tendenziösenBeigeschmack, der von Haus aus nicht darin liegt. Der böse Trieb als Lockung der Welt, das Singen als Verführung des Bösen, des Teufels gar ausgelegt, der Rabbi als Hasser des tätigen Lebens — dieses schmeckt bedenklich nach puritanisch-protestantischer Theologie. Die Weltfreude als sündhaft und verdammenswert — ein eifernder Rabbi, der erst über seine irrtümliche Auffassung aufgeklärt werden muss — dies alles trägt einen fremden Sinn in unsre Talmudstelle, die jedoch nicht kurzerhand als unpoetisch oder sinnwidrig zurückgewiesen zu werden braucht. * 2. Reubeni und ״Jud Süss1״): Reizvoll lockend ist ein Vergleich Reubenis mit dem gleichfalls jetzt vielgenannten, schicksalsverwandten ״Jud Süss״ Lion Feuchtwangers. Dieses Dichters Werk ein ungeheures Magazin an Stofflichem, ein Wogen von Gestalten und Ereignissen, von mächtiger Hand gebändigt. Gewiss ist Feuchtwanger der Ueberlegene in der Stoffbehandlung und Verteilung, der Vielgestaltige in der Massenbehandlung, der intimere Sprachkünstler. Doch fehlt seinen Gestalten jede Poesie, jedes Mitschwingen der Seele (vielleicht die Tochter von Jud Süss ausgenommen), selbst für den Helden können wir wenig Sympathie aufbringen. — Ganz anders die Zentralgestalt des Helden Reubeni bei Brod, hier ist visionäres Schauen, und Gestalten (im zweiten Teil), sein Heroismus zündet, sein Zauber ist mitreissend. Jud Süss, der kalt-zynische Rechner und Geniesser, Triebgeschöpf und Herrenmensch, ein ausgeklügeltes Exempel der Vernunft, ein Mensch, der nur sein eigenes Selbst ף s. Jeschurun, Band XII, Heft 11/12, S. 606.

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