Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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80 Anmerkungen zu Max Brods usw. nicht gemeint sind, und dass 2. mit der Deutung von בשד יצייך keineswegs eine absolute Bewertung und Sittlichsprechung des יצר הרע beabsichtigt ist. Sünde bleibt Sünde unter allen Umständen, auch wenn sie für andre, eine Allgemeinheit, geschieht, in keiner Weise entschuldbar. Was solche Stellen lehren, kann höchstens so gedeutet werden, dass der ״böse Trieb“, Leidenschäften, ״sinnliches“ Begehren, nur als ein relativ Böses, als Diener Gottes; die das Böse wollen und das Gute schaffen, zu bewerten sind. Keineswegs liegt es in der Absicht des Talmud, Lüge und Sünde an sich als schön, (Nietzsche) als erstrebenswert und verherrlichenswert irgendwie zu zeichnen. Vielmehr das Böse, das Uebel als für die Zwecke Gottes tauglich, das Böse graduell als unterste Stufe des Guten, als Keim zum Guten, als Auf- und Antrieb zum Guten, das Böse als auch in Gottes Absicht zu Entwickelndes, nicht ausserhalb der Machtsphäre G0tte3 liegend und nicht den Bereich menschlich-sittlicher Freiheit verengend — das mag wohl die wahre Deutung der wunderbaren Talmudstelle sein. Keineswegs aber soll und will sie das moralisch Böse bedingterweise als gut, als nachahmenswert bezeichnen oder gar ״böse“ gleich ״gut“ setzen. Somit scheint der Dichter Max Brod mit seiner Berufung auf die Talmudstelle von dem guten und bösen Triebe, mit denen man Gott dienen kann, nicht Recht zu haben. Möglich jedoch, dass Brod grade die Figur des phantastisehen Reubeni dazu benutzt, um die falsche Auffassung der Misehnastelle, die Reubenis Lebensmotto gewesen, ad absurdum zu führen, vielleicht sollte es uns das verzerrte, irregeleitete, Gemütsleben des Jünglings Reubeni veranschaulichen, seine Entwicklungslinie begreiflich machen; vielleicht nur als fixe Idee als schöner Irrwahn des Helden gezeichnet werden. Dann hätte allerdings die richtige Auffassung der Talmudstelle mit mehr Nachdruck und Gegengewicht betont und in den Vordergrund gestellt werden sollen (nach seiner Entlarvung; einmal sagt das Richtige der Vater zu seinem Sohn Reubeni: ״Mit dem bösen Trieb — das bedeutet: durch Bezwingung des bösen Triebs... sollst du den Ewigen, deinen Gott, lieben. Jede andere Er-