Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
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Anmerkungen zu Max Broda usw. 79 Gemarah hervor): Du sollst den bösen Trieb, dein ganzes sinnliches Begehren, die Affekte überhaupt, in Verbindung mit Gott bringen und aus Liebe zu Gott beherrschen und in der Erkenntnis G0tte3 überwinden lernen. Du sollst die sinnliche Leidenschaft dir und Gott dienstpflichtig machen, sie sublimieren und als Willensantrieb zum Guten anseken, als qualitativ Minderwertiges zum Höherguten erheben (Leibniz), sie als Gottesgeschenk dankbar hinnehmen, trotz der Leiden, die sie dir verursacht. Du sollst sie als Gottes Schickung preisen, gerade so wie du für materielle, vorübergehende Uebel, z. B. für Hochwasser, Ueberschwemmung, Gott danken musst (.בכל מדה ומדד), weil es über kurz oder lang zum Guten, zu üppigerem Wachstum ausschlagen kann. Zwei Grundtriebe sind es vornehmlich, die im jüdischen Schrifttum unter dem Begriff ״böser Trieb“ immer wiederkehren: 1. der Trieb zum Götzendienst (religiös), 2. der Trieb zur Sinnlichkeit (ethisch). Von ersterem heisst es im Midrasch, dass es dem Menschen schon einmal gelungen sei, ihn völlig zu unterdrücken; doch der Trieb zur Sinnlichkeit kann nicht und soll nicht völlig unterdrückt werden1). Drei Tage und drei Nächte fasteten einmal die Weisen, heisst ^ine andere Stelle, da lieferte Gott ihnen den Trieb zum Götzendienste zur Vernichtung aus, doch den Trieb der Sinnlichkeit lieferte er ihnen nicht aus (Joma 69 b). Denn die sinnliche Leidenschaft ist lebensnotwendig, also nicht verdammenswert• Bezeichnend ist auch eine dritte Stelle: Einmal war es gelungen, den Trieb der Sinnlichkeit für drei Tage in Fesseln zu legen, da war kein frisches Ei für Kranke in Palästina aufzutreiben (Sanhedrin 64 a). Ziehen wir die Folgerung aus solchen Stellen, so ist es unzweifelhaft klar, das in Brods Belegstelle, wo von der Dienstbarmachung des ״bösen Triebs“ gesprochen wird, 1. der Trieb zur Lüge und Verstellung und seine Bewertung überhaupt 1J שני יצרים ברא הקב״ח בעולמי/ יצר ע״ ז ליצר זנות/ יצר ע״ז כבר נעקר! ליצר זבות הוא קיים (מדרש שה״ש רבד" ב׳), s. weitere Stellen bei Eisenstein, New- York 1922, אוצר מאמרי חז״ל p. 191.