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Jeschurun · 1926-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1926) · p. Seite 78

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 78 (sequence 78)
Language
German
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78 Anmerkungen zu Max Brods usw. Talmudstelle (Berachoth 549): ,,Und du sollst lieben den Ewigen deinen Gott mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele und deinem ganzen Vermögen. — Hierzu bemerkt man: Mit deinem ganzen Herzen, das bedeutet: mit deinen beiden Trieben, sowohl mit dem guten wie mit dem bösen Triebe“. Die Auslegung dieses Satzes bildet die Basis des ganzen Buches. Von hier leitet David Reubeni die Scheinberechtigung ab für Lüge, Betrug, sogar für die Sünde der sinnlichen Zügellosigkeit seiner Jugend — wofern diese nur im Dienste des Guten stehen. Diese Art Auslegung der herrlichen Agadastelle klingt reichlich plump und wäre ohne Brods künstlerische Einfassung und meisterlieh-versöhnende Durchführung beinahe eine Blasphemie. Den bösen Trieb, den יצר הרע, beinahe als gleichberechtigt mit dem guten Triebe gleichzustellen, dies aus dem Talmud herauszulesen — das ist fast Taschenspielerkunst. Jezer hora, einer der dunkelsten und vieldeutigsten Begriffe des jüdischen Schrifttums — hier wird er mit fast frivoler Leichtigkeit gedeutet. Wie immer man ihn auffasst, ob als sinnliche Leidenschaft oder starke Beg i e r d e (Maimonides zu Abot II, 16), oder Trieb zum Götzendienst — dass die von Brod angezogene Mischnastelle nicht eine Sanktionierung der Lüge und Verstellung zu einem noch so heiligen Zwecke aussprechen wollte, das steht fest, das brauchen wir einem Kenner wie Brod auch nicht zu sagen. Wenn man bedenkt, in wie unzähligen Variationen die unbestechliche Wahrhaftigkeit in Gedanken, Wort und Handlung im jüdischen Schrifttum eingeschärft wird, muss man eine solche Auslegung als glatte Erfiadung weit von sich weisen. Prüfen wir einmal Brods Belegstelle (Berachoth 54a) im Zusammenhang; die ganze Mischnastelle lautet ganz anders: Man ist verpflichtet, für das Gute ebenso wie für das Böse Gott zu danken, denn so heisst es: Und du sollst lieben den Ewigen deinen Gott mit deinem ganzen Herzen, deiner Seele, deinem Vermögen; mit deinem ganzen Herzen soll heissen mit deinen beiden Trieben, dem guten und dem bösen Triebe. Also offenbarer Sinn (und so geht es auch aus den daran geknüpften Erörterungen der

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