Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1926-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1926) · p. Seite 77

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 77 (sequence 77)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2293042-2293044--08113-2301395
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Anmerkungen zu Msx Brods ני sw. 77 einer Erörterung zu unterziehen, zugleich auch einige verwandte Gestalten und Werke heranzuziehen. ־דד ¬דד¬ * Den Roman mit der Marke ״spannen d“ abzutun, geht ־wohl kaum an. Einem spannenden Buche folgt nach dessen Beendigung die ״Entspannung“, die hier aber ausbleibt, da Probleme und Gestalten des Werkes den Nachdenklichen noch lange Zeit hinaus packen und nicht so leicht loslassen. Denn, wo das rein Stoffliche zu spannen aufhört, beginnt der Problemsteller Max Brod zu wirken. Seit dem Erscheinen seines aufrüttelnden Werks: ,,Heidentum, Christentum, Judentum“ ist Brod vielen von uns ein Wegweiser und Zeitkünder geworden, und so sind seine Werke in ansteigender Linie gefolgt und haben Wesentliches zum Bewusstwerden unsrer geistig-sittlichen und religiösen Nöte und Entwirrung zu sagen gehabt. Wo liegt in diesem Werk das Zeitentscheidende, Lösend-Wirkende? * * * 1. Das Kernproblem: Kann ein Werk, das auf einer Lüge, auf einem gigantischen Betrug aufgebaut ist, (Reubeni gibt sich als Bruder des Fürsten von Chabor, Herrschers der verlorenen zehn Stämme aus, um das Erlösungswerk an den Juden Europas zu vollbringen) einem Volke Erlösung bringen? Kann Sünde Edles wirken? Ist in Gottes Weitenplan das Böse nicht auch als wirkende Kraft vorbedacht, und hat nicht der geniale Ausnahmemensch auch das Recht, Falschheit und Verstellung in den Dienst eines grossen Menschenwerks zu stellen? Und ist Verstellung unter allen Umständen, auch im grandiosen, übermenschlichen Ausmasse etwas Verwerfliches? Max Brod, der profunde Kenner und Feinschmecker jüdischer Agadistik und hoher jüdischer Ethik beantwortet diese wuchtigen Fragen anscheinend bejahend, und stützt die etwa3 jesuitisch anmutende Argumentation seines Helden von der Rechtfertigung der Lüge als sittlich auf die vielumstrittene

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.