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Jeschurun · 1926-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1926) · p. Seite 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 55 (sequence 55)
Language
German
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Exegetische Beiträge 55 oder nach der hermeneutischen Regel מדה קצרה der ßoraitha des R. Elieser ben Rabbi Jos. Hagelili, erst richtig erklärt werden kann. Ich verwies dort auch auf die vielen Beispiele des Ibn Gannah (im ספר הרקמה) und auf die von P. Bermann in seinem Kommentar אור בהיר zu Jesaia S. 29 angeführten und sehr sinngemäss auf diese Weise erklärten Stellen. Hier sei nur folgender Satz (v. Bermann) angeführt: לפעמים כותבי כה״ק הבליעו מלה או מלות שיש להשלימן ממלות דומות שאחריהן או מלפניהן... Dies galt besonders zur Vermeidung eines Pleonasmus. Des weiteren ist zu beachten, dass דרה oft den Begriff des Sollens oder ״Müssens״ in sich birgt (vgl. I. Kn. 4, 7 und Ez. 1, 12. 20) und dass wir ein למ״ד der Richtung13 haben. Ich bin nun der festen Ueberzeugung, dass auch unsere Stelle zu den unvollständigen Sätzen gehört, die aber auf Grund erwähnter Regeln bestens und sinngemässest ihre Erklärung finden. M. E. wollte der Prophet sagen: nachdem Tyrus 70 Jahre gleichsam vergessen, vom Welthandel ausgeschaltet sein wird, wird es nach Verlauf dieser 70 Jahre der Isolation sich wieder aufraffen streben müssen, die verlorene Stellung wieder zu gewinnen, die Handelswelt durch verschiedene Mittel wieder an sich zu locken. Da der Prophet vorzüglich in Bildern spricht, wählte er auch hier ein Bild, mit dem er das habsüchtige Handels- Volk der Tyrer, die auch unsauberen Handel mit allen Völkern getrieben haben, kennzeichnet das Bild von der Buhlerin, die durch Sang und Spiel die Aufmerksamkeit der Vorbeiziehenden auf sich zu ziehen sucht. Tyrus wird dann auch solche Locklieder singen, bezw. ähnliche Mittel anwenden müssen, um die Kaufmannschaft an sich zu fesseln. Dies soll in dem Satz יהיה לצור כשירת הזונה gesagt sein, der eigentlich hätte lauten müssen יהיה לצור [לשיר שירה] כשירת הזונה Tyrus wird zu singen haben ein Lied gleich dem Lockliede einer Dirne. Zur Vermeidung des Pleonasmus לשיר שירה כשירת, das auch zu prosaisch geklungen 13) Vgl. Ges.-Kautzsch, Hehr. Gram. § 114, h: ״Ebenso deutlich tritt die Idee der Richtung auf einen bestimmten Zweck oder der Hinweisung nach einem Ziel bei der Verbindung des Verbums היה sein, mit ל und einem Inf. zu Tage“.

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