Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Exegetische Beiträge werbe in den Strassen wieder aufnimmt und sich Liebhaber zu verschaffen sucht“. Also doch ein Spottlied über Tyrus, das sich wieder aufrichten soll, und dessen Aufblühen Gott selbst durch des Prophetenmund Tyrus zusichert (v. 17). Wie man diesen Widerspruch übersehen kann, ist unbegreiflich. Orelli1a der כשירת הזונה auch mit ״Lied von der Buhlerin“ übersetzt, verweist dabei (gleich Dillmann) auf Jes. 5,1 ש*רת דודי. Dabei hat derselbe Orelli 5, 1 wiedergegeben: ״ein Lied meines Freundes von seinem Weinberge“, und keineswegs: ein Lied von oder über meinem Freunde usw. Ja, Dillmann schreibt u. a. zu 5, 1 ... das Lied meines Liebsten bezüglich auf d. i. von seinem Weinberg . . . weiter zu כרם דדה לידידי führt Dillm. aus: ״das hier und weiterhin vom TT in der 3. p. die Rede ist, darf nicht verleiten שירת דודי לי als Lied über meinen Liebsten bezüglich seines Weinbergs auszulegen“. Was bedeutet nun der Hinweis auf 5, 1? Er beweist doch gerade das Gegenteil. שירת הזונה muss demgemäss heissen: das Lied der Buhlerin! Marti und Duhm merkten auch nicht die Verfehltheit der eben behandelten Erklärung. Interessant ist nur, dass Ersterer in v. 16 den 1״ e i c h t f ü s s i g e n“ Rhythmus zu erkennen glaubt, und Letzterer sogar den Tanzrhythmus. Weshalb das Volk einen etwaigen spöttischen höhnischen Zuruf als ein ganzes Spott 1 i e d vortrug und dabei gar im ״Tanzrhythmus“, bedarf erst der Erklärung! M. E. lässt sich unsere Stelle, nebstbei auch v. 16 aufs einfachste und natürlichste erklären. Es ist dabei nur nötig den Geist der hebräischen Sprache, besonders aber den Prophetenstil und dessen Eigenart tiefer zu erfassen. Ich habe bereits an anderer Stelle11 darauf hingewiesen, dass so manche schwierige Stelle in der Bibel auf Grund der syntantaktischen Regel der Aposiopese d. h., ״das Verschweigen oder Unterdrücken ganzer Sätze oder Satzglieder, die an sich für das Verständnis unentbehrlich sind“, wie Gesenius12 eich ausdrückt^ 10) D. Buch Jesaia (bei Straek-Zöckler) S. 92. ״) Vgl. m. Exegetischen Beiträge II. S. 9 und 15. 12) Vgl. Gesen.-Kautzsch, Hebr. Grammatik § 167, i.