Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Maimonides und daa Talionsprinzip 49 Auch in Misehne Tora H. chobel umasik I 3 drückt sich Rambam ähnlich aus, indem er sagt: ״Er ist wert, dass man ihm ein Glied verstümmele oder ihn verwunde.“ Ebenso I 6: ״Obwohl diese Vorschriften aus dem Wesen der schriftlichen Tora zu folgern sind und alle von Moses am Berge Sinai erläutert wurden, so sind sie alle in unserer Hand als eine Halacha für die Praxis (למעשה. So die korrekte Lesart). Und so erkannten es unsere Väter bei ihrer Rechtsprechung an im Gerichtshof Samuels au3 Rama und in allen Gerichtshöfen, die seit den Tagen Moses bis heute bestanden.“ 4. Es bleibt nun noch übrig, auf die geheimnisvolle Andeutung des Maimonides einzugehen, er habe über das, was der Talmud darüber sage, eine Ansicht, die er jedoch nur mündlich aussprechen wolle, eine Bemerkung, die nach der oben zitierten Erklärung seines Sohnes Abraham dahin zu erläutern ist, dass es sich um eine Uebereinstimmung der Ueberlieferung und des Wortlautes der Schrift handelt. Wenn eine Vermutung gestattet ist, so könnte man vielleicht sagen, dass Maimonides hier den Satz Ex. 2i,22f. im Auge hat: ״Wenn Männer miteinander streiten und dabei eine schwangere Frau stossen,... wenn ein Schaden entsteht, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge ...“ Da es sich doch hier nach dem schlichten Wortsinn des Verses nicht um einen vorsätzlichen Mord an der Frau handelt, so kann der Ausdruck ״Leben um Leben״ nicht wörtlich gemeint sein (Vgl. Mechilta z. St.) und dementsprechend wäre auch das parallele ״Auge um Auge“ nicht in wörtlichem Sinne zu interpretieren. Wenn meine Vermutung, dass Maimonides diesen Satz im Auge habe, richtig ist, dann würde auch damit gung ein Sühnegeld (כופר) darßteile (vgl. Einl. zur Mischnah), bei dessen Abmessung die Verhältnisse des Täters zu berücksichtigen wären (שאין שמין אותו בניזק אלא במזיק B. Kamma 84 a), während bei anderen Verletzungen die Verhältnisse des Geschädigten zu berücksiehtigen wären. In Mischna Tora macht jedoch Maimonides diesen Unterschied nicht. Vgl. den Schluss dieses Aufsatzes. 4