Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Maimonideö und das Talionsprinzip 47 Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuss um Fu8s״ (Deut. 19,21). Hätte Maimonides im More die Auffassung vertreten, dass ״Auge um Auge״ Talion bedeute, dann hätte er doch hier den Ausdruck ״Auge um Auge“ nicht interpretiert; ״Wenn sie die Absicht hatten, die Verurteilung zu einer Geldstrafe herbeizuführen״, sondern hätte interpretieren müssen: ״Wenn sie die Absicht hatten, die Verurteilung zu einer Gliedverstümmelung herbeizuführen״. Da er also hier ausdrücklich den Ausdruck ״Auge um Auge״ unter dem Begriff ״Geldstrafe״ subsummiert und noch besonders betont, dass gerade dies dem Wesen der auf Gleichsetzung von Vergehen und Strafe beruhenden Gerechtigkeit entspreche, so geht daraus klar hervor, dass er auch hier hinsichtlich der Vorschrift ״Auge um Auge״ der Tradition folgt. 3. Ich gehe nun daran, die Frage zu beantworten, welches der Sinn der unser thema probandum bildenden, am Eingänge meiner Darlegungen in wörtlicher Uebersetzung zitierten Sätze des More ist. Dies die Antwort: Maimonides will in diesen seinen Ausführungen nichts anderes begründen als das biblische Prinzip der Strafe, und er sieht es darin, dass grundsätzlich jeder das als Strafe erleiden soll, was er begangen bat. Die ״gerechte״ Strafe ist die Vergeltung von ״gleichem mit gleichem״. Der Mörder, der das Leben eines anderen vernichtet hat, hat daher sein Leben hinzugeben, und es bleibt nach der Tora ausser Berücksichtigung, ob das Leben des einen wertvoller ist als das des andern, denn Leben ist dem Leben gleichzusetzen. Das nämliche gilt bei Körperverletzungen. Auch hier soll gleiches mit gleichem bestraft werden. ״Auge um Auge“ ist in seinem wörtlichen Sinne Ausdruck dieses Prinzips. Der Täter soll das nämliche, nicht um Haarbreite mehr oder weniger, erleiden als sein Opfer. Dies ist die unumgängliche Bedingung, die von der Gerechtigkeit gefordert wird. Maimonides betont deshalb in mehrfachen Wiederholungen die Forderung ״gleiches mit gleichem״^