Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische und Dichtjüdische Exegeten 39 feststeht, zu beweisen. Ihre Tendenz ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eine ausgesprochen antisemitische. Nebenbei bemerkt, hat die Kenntnis der historischen Vorgänge bei den Nachbarvölkern Israels auch ihre Kehrseite. Sie führt häufig zur schematischen Uebertragung historischer Entwicklungstendenzen, die dort vorhanden sind, auf das Volk Israel. Die Eigenart dieses Volkes, die doch nun einmal vorhanden ist und die sich in der gewaltigen Einwirkung auf die Gesamtkultur der Menschheit geäussert hat, wird völlig ignoriert, und diese Einwirkung selbst aus dem zufälligen Zusammentreffen verschiedener Umstände erklärt. — Zwei Beispiele mögen das Gesagte deutlicher beweisen, und wir wählen dazu die beiden Jesajakommentare von Delitzsch und Duhm. Franz Delitzsch, der bekannte Leipziger Orientalist, war einer der tiefsten und kenntnisreichsten Forscher auf dem Gebiet der semitischen Philologie. Er gehörte zu den streng konservativen Forschern und ist von Ehrfurcht für das Wort der heiligen Schrift erfüllt. Diese Tendenz offenbart sich natürlich auch in seinen Kommentaren, unter denen der Kommentar zu Jesaja eine hervorragende Stelle einnimmt. So tritt er für die Authentie des ganzen Buches ein und bringt dafür gewichtige Beweise. Die wissenschaftlichen Voraussetzungen für den Erklärer besitzt er in ganz hervorragendem Masse: ein bedeutendes geographisches und historisches Wissen und eine seltene Sprachkenntnis. Er beherrscht nicht nur neben den alten indogermanischen die semitischen, sondern auch eine ganze Anzahl von modernen Sprachen. Dazu kommt ein tiefes poetisches Empfinden, das ihm die Fähigkeit gibt die UebersetzuDg dem Original genau anzupassen und ihr doch eine poetische Färbung zu geben. Sein feines Sprachgefühl lässt ihn überall die Schönheiten des Textes herausfinden. Man vergleiche z. B. die Stelle 28, 7. 8 (וגם אלה ביין שגל), wr0 von den Trunkenen Ephraims die Rede ist und wr0 er zeigt, wie Jesaja als ein Meister des Lautspiels hier in seiner Rede das Torkeln und Stolpern der Säufer nachahmt. Die bei Jesaja so häufigen Wortspiele versteht er in treffender Weise wiederzugeben. Dagegen fällt aber die stark christianisierende