Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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38 Jüdische und nichtjüdische Exegeten Voraussetzungen des betreffenden Abschnittes an, ,wie überhaupt sein Kommentar in vieler Beziehung einen wesentlichen Fortschritt gegenüber den früheren bedeutet. Wir wollen nun, nachdem wir einige der jüdischen Kommentatoren betrachtet haben, auch einen Blick auf die modernen nichtjüdischen Erklärer werfen. Allgemein ist zu bemerken, dass sie die moderne wissenschaftliche Methode anwenden. Es sind vor allem die äusseren Voraussetzungen für das Verstandnis des Textes, die ihnen in reicherem Masse zu Gebote stehen. Sie besitzen eine grössere Kenntnis der geschichtlichen Vorgänge, die den Hintergrund des Propheten Wortes bilden; und es ist klar, dass häufig durch die Vertrautheit mit der Zeitgeschichte, mit den politischen Vorgängen ein helles Licht auf die Gedanken fällt, die der Prophet zum Ausdruck bringen will. So haben z. B. die Reden von Jesaja die grossen politischen Vorgänge der damaligen Zeit, Eroberungszüge der Assyrer, die Rivalität zwischen Assyrien und Aegypten zur Voraussetzung. Auch die Geographie des Landes ist den Modernen genauer bekannt. In sprachlicher Hinsicht kommt ihnen ihre genauere Kenntnis der semitischen Sprachen zu gute: sie sind dadurch in der Lage auf dem Wege der Sprachvergleichung manche schwierige Stelle aufzuklären. — Auf der anderen Seite aber treten sie an das Propheten wort ge wissermassen als Fremde heran; es fehlt innen das jüdische Empfinden. Im allgemeinen sind es die Vertreter der evangelischen Theologie, die sich mit der Bibelforschung befassen. Wenn sie gläubig sind, so sind sie gläubige Christen. Sie tragen dann ihre Tendenzen in das Schriftwort hinein und suchen in gewaltsamer Weise die Verheissungen in christologischem Sinne umzudeuten. Sind sie liberal, so ist ihre Kritik häufig eine völlig zersetzende und auflösende; es fehlt ihnen nicht nur jede Pietät gegenüber der Ueberlieferung, sondern oft auch die Besonnenheit, die jede ernste Kritik zur Voraussetzung haben muss. Dabei sind sie doch von christlichen Vorstellungen erfüllt, das Judentum gilt ihnen als Vorstufe, und die Texte müssen dazu dienen, um den Entwicklungsgedanken, der ihnen trotz der immer wieder betonten ״Voraussetzungslosigkeit“ von vornherein