Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jüdische udü Dichtjüdische Exegeten 35 hinderte nicht, dass auch eine den klaren Wortsinn erforschende Bibelexegese zur Geltung kam. Während aber vorher nur Anfange einer solchen zu verzeichnen sind, vereinigten sich in Ihn Esra zwei Hauptbedingungen, die geeignet waren sie zu einem Höhepunkt zu fuhren: Unbefangenheit des Urteils und wissenschaftliche Erkenntnis der hebräischen Sprachgesetze. Seine Vorgänger auf dem Gebiet der Bibelerklärung charakterisiert er selbst in seinem interessanten Vorwort zum Pentateuchkommentar; er unterscheidet darin vier Wege der Bibelerklärung. ״Der 1. Weg, so sagt er, ist lang und breit und den Neigungen der Zeitgenossen entrückt.“ Er meint damit die Art der grossen Meister der gaonäischen Periode, die er als weitschweifig bezeichnet, weil sie vieles in ihre Kommentare hineinziehen, was nicht zur eigentlichen Erklärung des Bibelwortes gehört, weil sie fremden Wissensstoffen und unbewiesenen Lehrmeinungen zu viel Raum geben. Der zweite Weg ist der der Karäer. Ihre Erklärungen sind schwankend und unbestimmt, auch ihre Kenntnis der Grammatik ist keine genügende. Die 3. Art ist die allegorisierende Exegese, die er als דרך חשך לאפלה, den Weg des Dunkels und der Finsternis bezeichnet. Es ist das System, das früher durch Philo und die Alexandriner ausgebaut worden war, die sich bemühten für ihre eigenen philosophischen Anschauungen Anhaltspunkte in der Schrift zu finden und die auf diese Weise nicht nur die Erzählungen der Schrift, sondern auch die gesetzlichen Vorschriften in philosophische Symbole auflösten. Der vierte Weg ist der des דרש, der agadischen Auslegung, die er ebenfalls ablehnt, und die ihm, ungeachtet der Richtigkeit ihres Inhalts an sich, doch zur Erklärung des Schriftwortes ungeeignet erscheint. Sein Streben ist, den einfachen Wortsinn zu ergründen, und er geht dabei nach wissenschaftlicher Methode vor, auch wenn er zuweilen mit der traditionellen Erklärung in Widerspruch gerät. Trotzdem ist für ihn die Autorität der Tradition eine unbedingte. Diese Autorität ist aber gewissermassen eine in sich selbst ruhende, von der heiligen Schrift unabhängige. Die Weisen haben oft eine Stelle als Anlehnung für eine traditionelle Vorschrift benutzt, sie haben aber den einfachen