Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische und nichtjüdische Exegeten 29 Jüdische und nichtjüdische Exegeten*). Von Dr. Isak Unna, Rabbiner in Mannheim. Eine eingehende Kenntnis der Propheten ist für das Verständnis des Judentums im ganzen unerlässlich. Die Praxis des Judentums beruht auf der Thora und dem Talmud. In diesen beiden Quellen, in der schriftlichen und mündlichen Lehre, sind die Gesetze enthalten, die für das Leben des Juden massgebend sind. Aber für das Eindringen in den Geist des Judentums, für die Erfassung seiner Totalität, sind die Propheten ebenso wichtig. In anderen Kreisen spricht man vom vorprophetischem, prophetischem und Tabbinischem Judentum. Diese Unterscheidung ist von der bekannten Tendenz getragen, dass das Judentum eine Vorstufe des Christentums sei. Für uns bildet das Judentum eine Einheit, der Geist, der die Lehren der Thora erfüllt, offenbart sich auch in den zündenden Worten der Propheten wie in den halachischen und agadischen Aussprüchen unserer WeiseD. Aus diesem Grunde aber ist auch für den Religionslehrer eine umfassende Kenntnis aller Perioden der Entwicklung des Judentums eine unbedingte Notwendigkeit Wie aber soll er sich die Kenntnis der Propheten aneignen? Schon bei den historischen Büchern treten ihm grosse Schwierigkeiten entgegen. Bier ist zwar die sprachliche Erfassung im Allgemeinem leicht; aber es sind in sachlicher Beziehung viele Hindernisse zu überwinden. Denn zu einem richtigen Verständnis gehört nicht bloss eine gute sinngemässe Uebersetzung, es gehört dazu auch die Kenntnis der geographischen und historischen Voraussetzungen der Zeitverhältnisse, des Zusammenhangs des Buches und schliesslich auch der Persönlichkeit des Verfassers. Und über diese Fragen lassen uns die historischen Bücher selbst oft im Dunkeln. Noch grösser sind die Schwierigkeiten, die sich dem Leser bei den Propheten entgegenstellen. Hier ist es schon die sprachliche Erfassung, die einfache Uebersetzung, die oft grosse Vorkenatnisse *) Nach einem Vortrag, den ich bei dem diesjährigen Ferienkurs badischer Religionslehrer gehalten habe.