Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2292929-2293042-2293044--08050-2301332- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
14 Die neue Bibeiübersatzung Wir haben oft genug den Vorzug der Worttreue in der TJebersetzung hervorgehoben. Sie darf aber nicht so weit Platz greifen, dass die Uebersetzung ohne die Benutzung des Originals unverständlich bleibt. Schon in der obigen Probe ist das ״ich habs erdeutet“ — so treffend es ist, zugleich in Verwendung des von Raschi gebrachten Midrasch — für den, der das hebxäische Wort נחשתי nicht hinzudenkt, nicht verständlich. Ebensowenig 49, 4 ״Ueberscbwall wie Wassers — ragest nimmer“ für den, der das פחז כמים אל תותר nicht kennt. Und wenn für ״ כעת חיהin der Frist des Lebendigen“ steht (שוב אשוב אליך כעת חיה מKehren, kehren will ich zu dir in der Frist des Lebendigen“) so ist die — wir gestehen — ungeheure Schwierigkeit der verstündlichen und zugleich wortgetreuen Uebertragung allzu bequem gelöst. Mit welcher grammatischen Sorgfalt unter gleichzeitiger Benutzung des Midrasch gearbeitet worden ist, dafür gibt unsere obige Probe noch ein anmutiges Beispiel. 29, 11 wird דשק יעקב רחל übersetzt ״dann küsste Jaakob Rachel, bei Laban aber 29,13 ״ ויחבק לו וינשק ללer umarmte ihn und küsste ihn ab“. נשק im Piel ist in der Tat ein vielfaches Küssen (ebenso gebraucht für eine Person als Objekt, die man stark küsst, wie dann, wenn einer viele Personen küsst. Daher B. und R. in 31, 28 und 45, 15 trotz des dortigen Piel nur ״küssen“ haben. fülle die Schwagerehe“ (?) — 28,17 ״ מה נורא המקום הזהwie schauervoll ist diese Stätte״(?) Wohl spricht man vom Schauer der Erhabenheit, ״schauervoll״ an sich gibt hier einen falschen Sinn 1,14 והיו לאותות ולמועדים ולימים ולשנים ״dass 81ewerdenzuMalen,so fürGezeitensofürTageundJahre״ .״Gezeiten“ ist der technische Ausdruck für Ebbe und Flut, also sprachlich unmöglich für מועדים. — Ob für מזבח auch in Leviticus das Wort ״Schlachtstatt“ beibehalten werden soll? — Recht sehr möchte ich die Herren Autoren gebeten haben, in Zukunft das lutherische ״Hure״ zu meiden (84, 81). Zwischen der קדושה, die uns aus der Bibel entgegenweht und der, die Luther in der heiligen Schrift sah, ist doch eine ungeheure Kluft. (Vgl. die drastische Kritik, mit der er manche Bücher des A. T. bedenkt.) Das Wort ״Dirne“ reicht wirklich aus. Oder wär’s, weil die Dirne — leider auch in der jung-jüdischen Literatur — 80 psychologisch verfeinert und erhoben wird, dass mau sie von der Ehrbaren nicht mehr unterscheiden kann? (83,15 steht übrigens für זונה Buhldirne.)