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Jeschurun · 1926-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1926) · p. Seite 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Die neue Bibelübersetzung Sicher ist dies Bibelwerk nicht unsere Bibel. Aber das Rüstzeug für das Eindringen in den — immer freilich nur zu vermutenden — schlichten Sinn des Urtextes muss gegeben sein* Wir denken hier gar nicht an die Aufstellung einer eigenen Auffassung durch geistreiche Kombinationen oder mit den Mitteln der Sprachvergleichung — ein Bibelwerk soll gar nicht der Tummelplatz subjektiv exegetischer Einfälle sein. Aus den altüberlieferten Erklärungsversuchen mag der Uebersetzer wählen. Aber auch nur das rechte Wählen stellt hohe Ansprüche an seine Kenntnisse, an sein exaktes Wissen sans phrase. Wie weit hier die Voraussetzungen zutreffen, das entzieht sich unserer Beurteilung. Das erste Buch der Bibel mit seiner schlichten Prosa, seinem selbst von der radikalen Bibelforschung textkritisch glimpflich behandelten Sprachgut, seiner im Sinne der einzelnen Sätze fast nie umstrittenen Bedeutung reicht hier als Probe nicht aus. Wir müssen schon warten bis zu den Büchern, wo sich die cruces interpretum häufen, bis zu den Stücken, in denen Satz auf Satz sich die Schwierigkeiten türmen. Aber eines werden wir immer von dem Uebersetzer der Bibel fordern: ״Ziehe deine Schuhe von den Füssen, denn die Stelle auf der du stehst, ist heiliger Boden!“ Er darf um vermeintlicher, künstlerischer Intentionen willen uns nicht ein anderes Bild geben, nicht den Sinn schwächen, noch steigern, er soll Achtung hegen vor dem Wort, das in jedem Niederschlag der Offenbarung und des heiligen Geistes eben das Wort Gottes ist. Wir freuen uns von Herzen, dass wir diese Gefahr, die bei der Tendenz einer ganz modern kultivierten Sprachkunst und der Anlage ursprünglich jung-jüdischer Autoren nahe gerückt schien, hier vermieden sehen. Soweit es nur immer irgend der nicht zu überbrückende Gegensatz des völlig verschiedenen Sprachfamilien angehörenden Hebräisch und Deutsch zuliess, ist eine Wörtlichkeit in Wortform und Satzbau gewahrt, die oft geradezu bewundernswert ist, und die nur der recht zu würdigen weiss, der sich selbst oft stundenlang an der Ueberwindung der hier sich bietenden Schwierigkeiten abgemüht. Kühn aber unvermeidbar war hier die radikale Aufhebung des im Hebräischen

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