Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die neue Bibelübersetzung & wollten die Propheten, wirken auf das gottentfremdete Volk, packen und ergreifen sollte ihr Wort, aufrühren die schlummernde Empfindung, aufjauchzen lassen die trauernde Seele, zu Tode betrüben die in Sünden verstockte. Und darum redeten sie in Gleichnissen und sprachen in Bildern, war Anmut ausgegossen auf ihren Lippen. Darum ihre Bedenken, der Berufung zu folgen, wenn sie glaubten, sie verständen nicht zu reden. Und darum schwebt über allem, was die biblischen Autoren verkünden, der Hauch der Poesie, ein Hauch von jener Welt, die mit ihrem göttlichen Zauber jeden berückt, wes Alters, wes Standes, wes Volkes er sei, die mit ihrer Kunst das Gefühl bezwingt und durch das Gefühl auf den Willen wirkt. Wahrlich nicht umsonst jubeln in der Bibel die Morgensterne, wird das Meer wie ein Kindlein in Windeln gelegt, führt der Bär am Himmel seine Jungen einher, werden die Plejaden in Fesseln gelegt. Und soll die Uebertragung das gleiche Wunder wirken, dann muss in ihr all das Schöne lebendig walten, das Menschenherz beglückt, das Menschensinn entzückt. Was deutsche Dichter gesungen, was sie an mächtigen Worten gefunden, was sie zu weihevollen Gebilden und anmutigen Wendungen gewoben, das Alles muss dem Uebersetzer dienen, dass auch er in einer Sprache rede, die dem Feuer gleicht und dem Hammer, der den Felsen zerspaltet und dann wieder in Worten, die rieseln wie Tau, die hold wie das Girren der Taube. Ich glaube in dieser Hinsicht sind wir bei Buber und ßosenzweig gut aufgehoben. Immerhin sind Vernunft und Wissenschaft auch nicht zu verachten, ßosenzweig hält sich über die Kautzsche Bibel- Übersetzung auf1). Ihr etwas platt rationalistischer Charakter ist auch mir unsympathisch. Aber es soll nicht vergessen werden, dass sie das Ergebnis einer langjährigen Arbeit ist, an der elf der bedeutendsten alttestamentlichen Forscher beteiligt waren. *) Franz Rosenzweig: Sechszig Hymnen des Jehuda Haievi S. 109• — Vgl. meine Besprechung in Jeschurun XII. Jahrg. S. 334—336, wo ich auch in Kürze zu den von Rosenzweig in diesem Buche entwickelten Uebersetzungsprlnzipien Stellung nehme.