Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die neue Bibelübersetzung B weit knüpfen, wandeln könnte in Stricke der Liebe zu der einzigen Offenbarung, dass diese sie dann unlösbar umwinden und sie nicht Hessen, als bis sie dem Genius des jüdischen Volkes gehuldigt. Ob Martin Buber und Franz Rosenzweig, die sich an das gigantische Unternehmen einer Bibelübersetzung zu zweien wagen1) von derartigen Gedanken zu ihr getrieben wurden, weiss ich nicht. Ich glaube, dass dieser Grund wohl dazu geeignet ist, מלמד זכות zu sein für ihren Mut. Sie sind ja nicht die ersten Besten. Man darf sie nicht verwechseln mit jenen Naiven, die der Meinung sind, aus Kommissionen mit verteilten Rollen, aus der bunt zusammengewürfelten Schar von Orientalisten, Predigern und Lehrern könnte uns das Werk erstehen, das Luthers vom Genie bedientes Schaffen um ein vielfaches überstrahlend den deutschen Juden die urjüdische Bibel gibt. Denn was sie wollen ist ja nicht die Bibel für Schule uud Haus, ein Hilfswerk für den Religionsunterricht. Sie wollen Menschenseelen fangen, Seelen, die durch alle Tiefen geirrt, sich vollgesogen an den Brüsten ״der Fremden״, all das berauschend Schöne in sich aufgenommen, das die berückenden Geister in die Gewebe der Weltliteratur geflochten, sie wollen den stürmisch hin und her Gerissenen, den von allen Wellen Getragenen zurufen: Hier setzen wir dir die Schranke, hier lege sich das Brausen deiner Wogen! Buber und Rosenzweig, sie beide kommen von der Peripherie des Judentums. Noch vor einem Jahrzehnt hätte ich eine Ueber- Setzung unserer Bibel aus Bubers Hand nur mit Widerstreben in die Hand genommen. Wer so weit von unserem Urquell des Thoralebens abgeirrt, dass er ihn• in jenen gebrochenen Oisternen suchte, wähnend, dass sie unsere Wasser fassen, konnte nicht Deuter des Wortes sein unseres lebendigen Gottes. Unterdes ist Buber das ursprüngHch zu anderen Zielen strebende 1J Die Schrift — zu verdeutschen unternommen von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig. — Die Bücher der Weisung. Erstes Buch: Das Buch: Im Anfang — 206 Seiten; Berlin, Verlag Lambert Schneider.