Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2 Die neue Bibelübersetzung der jüdischen Jugend, der über sie spöttelt, tritt vielleicht jetzt weniger hervor als vor einem Menschenalter. Aber fraget doch jene, die sich ihrer Bildußg glauben rühmen zu dürfen, ja selbst die, denen ein reiches Gefühlsleben eigen ist. Sie werden euch Kunde geben von allen Werken der Literatur, euch alle Sterne nennen, die an diesem Himmel glänzen. Nur ein Buch das kennen sie nicht. Sie haben vielleicht in frühester Kindheit es buchstabieren gelernt. Aber gelesen haben sie es selten, sich mit Liebe und Innigkeit in seinen Inhalt vertieft noch nie. Wie beschämend, dass im nichtjüdischen Kulturbereich die Bibel in den ״gebildeten Kreisen״ intensiver gelesen wird. Was sie dem Engländer bedeutet, ist allbekannt. Es ist nichts Aeusserliches, wenn in England die Bibel in jedem Hotelzimmer ihren Platz findet, sie erfüllt wirklich' das Denken und Fühlen aller derer, die aus der Masse des niedersten Volkes nur irgendwie herausragen. Und sie besitzen doch dort nicht in Wahrheit das Buch, das Buch mit all der Lebensfülle und dem Reichtum von Gedanken und Empfindungen, die es im Judentum angenommen. Freilich, es liegt bei unserer ״gebildeten״ jüdischen Jugend viel tiefer. Es fehlt die Religiosität, die, ein Erbe Jahrhunderte langer Tradition, in jenen nichtjüdischen Häusern sich erhalten und in jeder Generation neue Blüten trägt. Bei uns sind die Wurzeln, die in eine Tiefe von Jahrtausenden gingen, bei vielen Stämmen durchrissen, von der Sturm ge walt jener geistigen Assimilation, die ihre Opfer auch dort zu finden weiss, wo eine frische nationale Rinde knospendes Leben vortäuscht. Aber vielleicht, dass diese Entfremdeten doch einen Hauch des Geistes verspüren könnten, den die Bibel keimzeugend und fruchtbringend in jüdische Seelen Jahrtausende hindurch immer wieder hat aufleben lassen. Vielleicht, dass man den Weg eben über den Aestheticismus findet, dem sich die Flachen ergeben oder über den Kult des Geheimnisvollen, der in einer vom Leid und vom Bösen zerrissenen Welt seine Adepten findet und um dessen Altar sich tiefere Geister sammeln. Gleiches durch Gleiches, das wäre nicht die schlechteste der Heilmethoden. Das man die Bande der Nichtigkeit, die sie jetzt an jene Schein-