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Jeschurun · 1925-11-01 · Heft 11-12 (November 1925) · p. Seite 506

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Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 11-12 (November 1925)
Date
1925-11-01
Page
Seite 506 (sequence 80)
Language
German
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506 Aktuelle Lebensfragen usw. für produktive Hilfe verloren gegangen. Ich werde nicht 80 hart wie Klatzkia in dieser Hinsicht urteilen. Wenn sich aber unsere Meinungen hier berühren, ohne dass eine Beeinflussung vorliegt — längst habe ich die Ansichten konzipiert — so dürfte doch wohl ein sachlicher Mangel vorliegen. Mein Urteil wird vielleicht diesem oder jenem beachtlicher als Klatzkins erscheinen, weil ich doch dem Kreis, der hier unter die Lupe genommen wird, anders als er gegenüberstehe. Nicht die Reichen und den Reichtum habe ich bekämpft. Nur die Gefahren habe ich dargetan, die dem Judentum droht, wenn sein Schicksal ausschliesslich oder vorwiegend in den Händen der Besitzenden liegt, die nur schwer als Klasse sich vor Missbrauch retten können. Wer eine Schmähung der Reichen aus meiner Abhandlung herausliest, der irrt sich. Wenn aber jemand aus ihr das Hohelied der Besitzlosen, den Hochgesang auf den Adel der Armut heraushört■, so hat er meine Absicht verstanden. __ Bücherbesprech־u^g־en. Lion FeucI11wat?g־er. Jud Süss. München 1925. Drei Masken-Verlag. Vergleicht man diesen Roman mit der bekannten Novelle von Hauff, so stehen sie ungefähr in dein Verhältnis zu einander wie ein Roman der Marlitt mit einem der unsterblichen Werke Zolas. Bei Hauff eine seichte nüchterne Darstellung־, hier eine gewaltige Epopoe, ein Querdurch schnitt durch die ganze Periode jener deutschen Kleinstaaterei und ihrer Maiiressen- Wirtschaft in ihren kulturellen und sozialen Erscheinungen. Und die Judenheit Deutschlands ist hier in allen ihren Schichten gezeichnet, die Kleinen und die Geringen in ihren täglichen Sorgen, die Hochvermögenden in der Machtvollkommenheit, in der sie durch ihren Reichtum den Potentaten schon so unentbehrlich geworden sind, die Talmudisten in ihrer Schlichtheit, die Kabbalisten in ihrem geheim vollen Wirken, rrit ihrem dem irdischen Masss tab entrückten Seelenleben. Der Tragödie des Hoffaktors fehlt es auch nicht an einem versöhnenden Abschluss. Durch die Freiwilligkeit seines Todes — ein vom Dichter freilich erfundenes Motiv — sühnt er, was er durch sein Leben verschuldet hat.— Aber trotz aller Wucht der Schilderung st dieses Buch eines der unbefriedigendsten Bücher, die uns aus jüdischer Feder in dem letzten Jahrzehnt begegnet. In der Darstellung des Obscönen weiss es sich nicht genug zu tun, und so ist es fast immer derselbe Gegenstand, der uns mit einer Deutlichkeit, wie sie uns nicht einmal in Zola’s Nana begegnet, vorgeführt wird. Mag sein, dass in jener Zeit eben alles in der

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