Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 502 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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MBHngsaaBsas 3sam3smH«s«ffi 502 ÄKtu^ile Lebensfragen usw. einer Religion kann das Erkenntnisproblem oder das Bekenntnis de3 Dieners vor seinem Herrn in den Vordergrund treten. Der religiöse Mensch sucht entweder ein geistiges Weltbild, das seinem zermarterten Geist Frieden gibt, wenn die Fragen des Seins oder Sollens, der Natur und Geschichtswirklichkeit mit ihren Dualismen und Konflikten, die das Tneodiceeproblem au trollen, oder der Ethik ihn bestürmen. Oder er will in der Glut des gefühlsdurchströmtea Erlebens ia Gott versinken oder wiederum in der Annahme des עול כצית und des ערל מלסת שם־־ם dienend und sich meisternd die Gottesnähe erzwingen. Ob aber nun Aktivität des Denkens oder Handelns, ob restlose seelische Hingabe und Preisgabe des Selbst — immer liegt diesen religiösen Leistungen eine gewaltige Revolution, eine Schicksalschwere Erschütterung zugrunde, die nicht selten einem Erlebnis tragischen Charakters ihren Ursprung verdankt. Oft, nicht immer. Es gibt zweifellos begnadete religiöse Naturen, bei denen das auslösende Moment kaum nachweisbar ist oder doch für den Durchschnitt! der Menschen ohne bestimmenden Einfluss wäre. Vermutlich wird der geistige, aber im religiösen Sinne unbegnadete Mensch ohne entscheidende Erschütterungen vorzugsweise den Weg der Religionsphilosophie gehen, der der Wissenschaft noch am nächsten bleibt. Uebrigens gilt selbst für den Wissenschaftler wohl nicht die landläufige Vorstellung dts nüchternen, unbewegten Denkers. So ruhig und affektfrei sich auch die Resultate geben, so wenig muss der seelische Hintergrund ein ruhiger Wasserspiegel sein. — Ich denke, dieser kurzer Exkurs genügt, um zu zeigen, woran es bei uns fehlt, weshalb der Reichtum kein Nährboden für eine beschwingte, lebendige Religiosität sein kann. Ganz gewiss ist er nicht dazu berufen und geeignet, die Lösungen yorzubereiten, die die Erschütterungen des Gemüts wieder beschwichtigen sollen. Der Schmerz, die Zerrissenheit, das Insuffizienzgefühl sind den Besitzlosen oft eigen, aus ihrem Schicksal ergehen sie sich ohne weiteres. Diese Mängel im persönlichen Geschick erzeugen die grosse Sehnsucht, lenken den Sinn auf das Fatum und bewirken in Hoffnungen und Erwartungen einen Ausgleich der Notlage. Was ab8r bedeutsamer ist: sehr oft