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Jeschurun · 1925-11-01 · Heft 11-12 (November 1925) · p. Seite 501

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 11-12 (November 1925)
Date
1925-11-01
Page
Seite 501 (sequence 75)
Language
German
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Aktuelle Lebensfragen u8w. 501 erhoben wird. Und fraglos würdigen sie sie nicht ebenso herab wie die Herrschaft des Geldes. Letztere lässt es fast als ausgeschlossen erscheinen, dass das Experiment gelingt, das unsere Weisen in die Worte gekleidet: אץ דברי תורד, מתקיימץ אלא במי שממית את עצמו עליהם. Die Kraft der Entsagung, der Entbehrung scheint gerade den Reichen versagt. Es ist desgleichen kein moralischer Vorwurf, wenn man der besitzenden Klasse als Gesamtheit — Ausnahmen können sicherlich Vorkommen und sind Tatsache — entgegenhält, dass der Reichtum im religiösen Sinne steril macht. So berechtigt auch das Urteil ist, dass das Judentum lebensbejahend ist, so wenig passt die genussfreudige Heiterkeit zu dem heiligen, furchtbaren Emst der jüdischen Lehre. Nur Schlemmer oder Narren können dauernd von der Gottgefälligkeit eines sanft dabinplätschernden, behaglichen Lebens sprechen. Dabei will ich nicht Askese predigen und jeden Genuss und Freude perhorreszieren. Nur dürfen nicht die, welche sich als Hüter der Ueberlieferung fühlen und ohne Erschütterung in ihrem seichten Lebensgewässer dahin״ plätschern, mit irgend einer Kompromissdevise, für die das Wort חציו לכם וחציו לר׳ viel zu anspruchsvoll wäre, sich als Höhenmenschen, ausgeben. Sie dürfen sich auch nicht auf die chassidische Freudigkeit berufen, deren Quelle reiner, deren Rhythmus erhabener und deren Kern unirdischer ist. Ich möchte sagen, dass unter Europäern, soweit ich aus persönlicher Erfahrung zu urteilen befähigt bin, kein Volk und keine Gemeinschaft in ihrer Freude so sehr geheimnisvolle Verbindung mit dem Weltengrund zu erkennen gibt wie der Chassidismus, und das aller Entartung ungeachtet. Nirgends ist der Hinweis auf Transzendentes — nicht in der bewussten Tendenz, wohl aber in der Grundstimmung — so zwingend wie bei Chassidim. Nichts derartiges liegt in dem Gleichmass der deutschen Judenbeit. Sie ist philisterhaft, zweckhaft, zielstrebig auch in ihrem Optimismus und ihrer Heiterkeit. — Auf diesem Boden kann aber keine religiöse Fruchtbarkeit sich entwickeln. Irgend wie muss Gemüt und Geist aufgelockert, durchfurcht sein. Entsprechend den Typen der Religion und den Typen der Bekenner

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