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Jeschurun · 1925-11-01 · Heft 11-12 (November 1925) · p. Seite 498

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 11-12 (November 1925)
Date
1925-11-01
Page
Seite 498 (sequence 72)
Language
German
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498 Aktuelle Lebensfragen usw. Die Bedeutung, die dem Reichtum für das religiöse Leben zukommt, die Gestaltungskraft, die es für dieses besitzt, die innere Verbindung, die zwischen beiden besteht, ist eine eminent ernste Angelegenheit. Gedeiht Religiosität auf dem Boden gesättigten Lebens, reicher Genüsse? Dabei leugne ich nicht, dass auch die Armut ihre Gefahren für die Entwicklung und den Bestand eines gesunden Lebens in religiösem Geist besitzt. Jedenfalls habe ich den Eindruck, dass ein Uebermass an Not und die Entstehung eines weiteste Schieb-־ ten umfassenden Proletariats die Religiosität untergräbt. Wo ein ganzes Volk in dumpfer Verzweiflung dahin vegetiert, und nie einen Lichtstrahl erhascht, da ersterben leicht die edlen Triebe und Keime, die zu Gott hinführen. Vielleicht ist das auch der Sinn der Sentenz: דקדוקי עדות מעבירים את האד:! על דעתו לעל דעת קוני (עירובין מ״א:). Es gibt eben auch nach unten eine Grenze filr die Empfänglichkeit der Seele und ihre Bereitschaft, Gott anzuerkennen und ihm zu dienen. Nun aber soll endgültig von den Reichen die Rede sein.— Man könnte in erster Linie auf die soziale Struktur der Bekennerschaft mancher Religionen im Stadium ihres Entstehens (besonders eindrucksvoll ist das im Christentum) oder zur Zeit der Kulmination verweisen. Ohne hier auf die Verhältnisse im tannaitischen und amoralischen Zeitalter einzugehen — jedenfalls darf an die Armut, und, was ebenso wichtig ist, an die Anspruchslosigkeit vieler Mischnahlehrer erinnert werden; vgl. den charakteristischen Ausspruch von R. Josuab. Chananjah gegenüber R. Gamliel: אד לו לדור שאתה פרנסד ואוי לה לספינה שאתה קברניטה, שאין אתה יודע בצערם של תלמידי חכמים במה הס מתפרנסים ובמה הם נתונים ׳ ברכות כ״ז)) — möchte ich lieber die uns näherliegenden und deshalb in ihrer Struktur durchsichtigeren Verhältnisse in der Epoche des Entstehens des Chassidismus heranziehen. Zweifelsohne entstammte diese Bewegung den Schichten des armen Volkes. Wenn man mit Recht im Chassidismus immer eine Reaktion auf die Ueberspannung derLamdanuth bzw, des Pilpul erblickt, so vergesse man dabei nicht, dass die starken religiösen Kräfte, die der Baal Schern entband, latent

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