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Jeschurun · 1925-11-01 · Heft 11-12 (November 1925) · p. Seite 496

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 11-12 (November 1925)
Date
1925-11-01
Page
Seite 496 (sequence 70)
Language
German
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496 Aktuelle Lebensfragen nsw. allem aber erheischt es die Welt der Wirklichkeit, nachdem die idealen Pflichten und Aufgaben schon oft verkündet worden sind, auch von den ethischen Geboten zu reden, die im Gefolge einer Sünde, eines moralischen Versagens der Erfüllung harren. Viel zu wenig befassen sich unsere modernen jüdischen Ethiker mit diesem Komplex; umsomehr wollen wir es tun. Im fol~ genden wird klar werden, was ich meine. Für die Einleitung möge das Gesagte genügen. I. Der Reichtum. Wir stehen hier einem Problem von ausserordentlicher Bedeutung, von grösstem Ernst gegenüber. Denn es soll hier nicht in seichtem Predigt-Ton der Reichtum gepriesen oder in Grund und Boden verurteilt, sondern in ernster Untersuchung seine Rolle als Faktor im nationalen und religiösen Leben erkannt werden. Ich schicke voraus, dass ich weder den Reichtum hasse, noch die Reichen verachte. Ich habe gute Freunde unter ihnen, freilich ihrem Reichtum zum Trotz. Ein Mensch ist noch deshalb nicht suspekt, weil er reich, nicht heilig, weil er arm ist. Dennoch muss die Gefahr, die der Reichtum als herrschender Faktor in unserer Mitte bedeutet, aufgezeigt werden. Ich will hier nicht für ein allgemeines Bettlerideal eintreten, das der asketischen Lebensanschauung frühchristlicher oder verwandter Kreise entstammt. Ueberhaupt will ich dem sozialen Problem gegenüber keine dogmatische Haltung einnehmen, schon deshalb nicht, weil ich Fragen grösserer Dignität über ihm erblicke. Bevor ich zu den Verhältnissen der Gegenwart Stellung nehme, will ich mich aber, ohne Anspruch aut Vollständigkeit, zu tradierten Anschauungen Reichtum und Armut betreffend äussern, umsomehr als die Lobredner des Besitzes sich gern auf die ihnen günstige Meinung der jüdischen Spruch Weisheit berufen. Nun findet sich fraglos vielfach in Bibel und Talmud etc., das Lob des Reichtums gesungen, und nicht selten die Armut fast mit Verachtung bedacht (wer denkt nicht an das krasse Wort: (:ארבעה השובין כמת: עד וכד (נדה ס״־ד. Das materielle Wohl-

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