Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 494 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2293034-2293041--07989-2301271- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
494 Aktuelle Lebensfragen usw- Aktuelle Lebensfragen des Judentums*). Von Dr. Gsk;;r WoiRberg-Berlin. Die Entwicklimg der jüdischen Geschichte in den letzten Jahren war mit so ernsten vitalen Problemen belastet, dass andere wichtige Angelegenheiten ,unerledigt blieben. Unser Volk rang derartig schwer mit den Fragen der Wanderung, des Aufbaus Palästinas und seiner geistig-religiösen Behauptung, dass deren theoretische Wertung in den Hintergrund treten musste. Nicht anders verhält es sieh mit der sozialen Frage. Die grossen Umschichtungen in der Nation, die Not und das Leid der Massen in Polen und der ehemals Bürgerlichen in Russland als grosses passives Phänomen auf der einen, das starke aktive Bemühen der jüdischen Arbeiter, seien sie mm Poaie-Zioc, Zeire Zion, Bundisten oder Bolschewisten, aus den Tiefen und Qualen des Proletariats aulzusteigen, auf der anderen Seite, haben einen leidenschaftlichen Kampf entfacht, der freilich deutsche Juden durchschnittlich weder persönlich berührt noch seelisch bewegt. Die Wirklichkeit dieses sozialen Konflikts hat die akademische Erörterung zwar nicht verdrängt, aber aus der Bahn ruhiger *) Wir können ־ans den Ausführungen des verehrten Verfs. in vielem nicht anschliessen. Die Warnungen vor den Gefahren des Reichstums für die Religion haben ja seit dern Thora wort וישמן ישדון ויבעט Jahrtausende hindurch über die Propheten, Eagiographen, Talmud, Mussar- und chassiaisehe Literatur niemals ausgesetzt. Die spezifische Anwendung für das deutsche thoratreue Judentum erscheint uns abwegig Eier liegen doch die Schäden vielmehr auf anderem Gebiet. Und vor allem : Der verehrte Verf. hat offenbar keine Kenntnis von den geradezu ungeheuren Opfern rein pekuniärer Art, die das deutsche thoratreue Judentum im Dienste Gottes und im Dienste der Men&chen bringt. Auch sollte nicht vergessen werden, dass der ״Reichtum“, ja auch nur der Vermögensbestand gerade dieser Kreise heute illusorisch ge־worden ist, worauf der Vf. übrigens selbst hinweist. Aber deshalb soll der ״Jesehurun״ Keinem verschlossen sein, der Mussar zu sagen hat, denn dass die Worte des verehrten Verf. auf manchen zutreffen, i3t keine Fragö. Der Herausgeber,