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Jeschurun · 1925-11-01 · Heft 11-12 (November 1925) · p. Seite 493

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 11-12 (November 1925)
Date
1925-11-01
Page
Seite 493 (sequence 67)
Language
German
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Jüdische Kulturromane usw. 49a Die Gebrüder Tbaraud sind, wie aus vorstehenden Ausführungen hervorgeht, extrem konservativ, sie bekennen sich als getreue Jünger des Nationalisten Maurice Barres und als Feinde jeden Umsturzes. Sie sind noch jung, diese Schriftsteiler, und es soll uns nicht überraschen, sie, bei ihrem leidensebaftlichen Bekennermut und ihrem Streben nach Lebenswahrheit, in ein paar Jahren in den Reihen der Clarte-Gruppe, als Verfechter des Fortschritts und der Weltgerechtigeit wiederzufinden. Sie werden dann nur die Wandlung durchmachen, die ihr grosser Landsmann Anatole France durchgemacht, der sich vom treuen Hüter lateinisch-französischer Vergangenheitskultur zum Verteidiger von Dreyi'uss, ja bis zum Herold des radikalsten Sozialismus durch entwickelt hat. Dann werden auch die Gebrüder Tharaud, des sind wir gewiss, den Juden als Volk und als Träger gesunden Fortschritts grössere Gerechtigkeit widerfahren lassen* 2). Chaluzim höchste Bewunderung, doch sind die Mittel, mit denen es geschieht, wie man leicht erkennt, von sehr zweifelhafter Güte. Der Roman ist höchstens als guter Unterhaltungsstoff zu bewerten und dient im wesentlichen den Modegelüsten gewisser Pariser Geniesserkreise. 2) Unsere bisherigen Untersuchungen über die Frage: Wie verhält sieh der französische Esprit zum jüdischen Geist hat bisher einen ziemlich negativen Befund ergeben Wir hoffen, dass wir in einer folgenden Untersuchung über französische Essaisten zur jüdischen Frage zu positiveren und erfreulicheren Resultaten kommen werden. Ungleich wertvoller, wertegestaltender erscheint der Roman von A. H. Na von: Joseph Pörez (Juif de Ghetto), Paris, Calmann-Levy 1925. Er schildert den Werdegang eines jungen Juden aus dem Ghetto Konstantinopels, der es vom scharfsinnigen Talmudjünger bis zum angesehenen Bevollmächtigten grosser Gesellschafts Vereinigungen in Paris bringt, nachdem er sein Idealziel, ein Gelehrter und Grosser in Israel zn werden, aufgesteckt bat. Das Buch gewährt fesselnde Einblicke in das (bisher ungekannte) Ghettoleben Konstantinopels, hält sich auch zuerst auf hoher psychologischer Warte, doch steigt der Dichter von seiner bemerkenswerten Höhe im zweiten Teil seines Buches bedenklich herab, indem er das Schicksal seines Helden in einem verbürgerliebten Pariser Assimilationsmilieu der sogenannten guten Ge- Seilschaft münden lässt und so europäische Kultur gegen traditionsgesättigte jüdische Kultur ausspielt. Ob europäische Großstadtkultur als Allheilmittel gegen die Zurückgebliebenheit und Bildungsenge Konstant]nopler Ghettokreise mit Fug im Jahre 1925 anzupreisen ist — das bleibt eine Rätselfrage, deren restlose Lösung diesem Unterhaitungsroman (im besten Sinne des Wortes genommen!) kaum vorbehalten sein dürfte.

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