Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 492 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2292929-2293034-2293041--07987-2301269- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
492 Jüdische Kulturromane usw. Volk nicht verherrlicht und nicht bewundert, sondern es einzig gerecht, als ethnographische Gegebenheit urteilend darstellt? Vielleicht erst an den Tagen, wo das Volk Israel selbst in seinen Teilen einheitlich und unter sich einig, in einer G 0 tteserkenntnis geeint, auf eigenem Boden als ein Volk, ein Volk leben wird. Doch wann wird das sein? Wann kommt Welten wende? * * * ״L’an prochain k Jerusalem״, leschonoh habooh bijeruscholojim! Es tut bitter weh, dieses Wiegenlied, diesen Königstraum des jüdischen Volkes, grade diese Worte hier als Aushängeschild, mit dem Nebenton der Ironie oder gar des überlegenen Spotts benutzt zu sehen. Wir denken # uns dessen Sinn und Verwirklichung anders! Als eine Gottesverheissung des Vergangenheit, als Feuerleuchte für die Zukunft, aber auch als trostvolle Mahnung an die Jetztzeit, als das Idealreich — ״ewigklar und spiegelrein und eben“ — so liegt es vor uns, als Land unserer Väter, für das wir den Schmerzensweg durch die Jahrhunderte durch wandelt. Diese Parole, dieses Ideal wollen wir uns weder von weltgewandten Politikern noch von seelenarmen Literaten verkleinern lassen. Dieses Land unserer Seelensehnsucht, das Hunderte heimatloser jüdischer Geschlechter vorgeschwebt und ihnen die tiefsten Herzenstöne entlockt, es bleibt eine Wirklichkeit, allen Zweiflern zum Trotze, und wie lange es auch immer dauert, bis das Wort sich erfüllt — es wird uns nur wie ein Jahr, wie ein nächstes Jahr, erscheinen!1). *) Nur als Nachtrag im Vorübergehen sei ein jüngst erschienenes Modebuch erwähnt, um zu zeigen, wie Palästina zur Zeit von betriebsamen französ. Autoren als Sensationsartikel ausgenutzt wird: L e Puits de Jacob, par Pierre B e n o i t (Paris, Albin Michel). Das Buch behandelt den abenteuerreichen Schicksalsgang einer jüdischen Tänzerin, die, nachdem sie auf ihrer Tournee auch in Palästina gewesen, nach Paris zurückgekehrt, dort durch ihre Kunst halb Paris den Kopf verdreht, aber triefend vor Edelmut den Lohn ihrer zweifeihaften Tätigkeit einer zionistischen Chaluzim-Kolonie, dem ״Brunnen Jakobs“, zukommen lässt. Der Verfasser zollt der Tätigkeit der