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Jeschurun · 1925-11-01 · Heft 11-12 (November 1925) · p. Seite 491

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 11-12 (November 1925)
Date
1925-11-01
Page
Seite 491 (sequence 65)
Language
German
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Jüdische Kulturromane usw. 491 Scholle abzusprechen?! Sollten die Juden nie fordern, wo die andern Völker, auch die lächerlich kleinsten, fordern dürfen? Sind alle nationalen und territorialen Ansprüche von Juden von vornherein gottwidrig, flach würdig? Andre Völker vergiessen Ströme Bluts um eine Handbreit eigener Erde, kämpfen Brüder gegen Brüder — und wir Juden, die nur mit den Waffen der Ideen, des Geistes, der Arbeit, des redlichen Schaffenswillens auftreten, wir sollen ewig als Weltstörenfriede, als Neuerer und Aufwühler gebrandmarkt bleiben? Steht das irgendwo 80 geschrieben im Buche des Schicksals, im Buche der Bücher, unbeirrbar, unabänderlich? Haben wir nicht genug gebüsst vor dem Throne der Allmacht? Das ist das Tieftraurige, was diese Art literarisch-politischen Schrifttums in uns auslöst und was wir den Schriftstellern zum Vorwurf machen: Sie bewundern und verherrlichen die religiös-mystische Seite des Judentums, (diesem Gefühl sind ja die ersten Bände des Romanwerks entsprungen), sie hüllen sich gerne in den Mantel des wissenschaftlich-ästhetischen Beobachters, sie finden es wunderschön, dass der Jude in seiner Sphäre des Ghettos, der irdischen Abgeschlossenheit, in der Enge metaphysischen Sehnens und Jenseitsschauens sich bescheide, wie in Polen, in dem alten Russland und Ungarn, dort sehen sie gnädig hinweg über seine Nachtseiten und menschlichen Schwächen. Diese Hochachtung hört aber auf, sobald der Jude weltliche, volkssouveräne Rechte und Ansprüche anmeldet und mehr sein möchte als ein Geduldeter, sobald er urrechtliche Ansprüche auf Selbstbewertung, auf sehr reelle, irdische Güter geltend macht oder gar eine Führerrolle im Geistigen sich anmasst: Da ist er der Umstürzler, der Verführer, sein Geist wirkt zersetzend, und wie er sich auch immer wendet und betätigt — seine Motive werden verdächtigt, verunglimpft, er ist ״nicht beliebt“, die Legende von jüdischen Weltherrschaftsgelüsten findet gläubige Kreise, und Verleumdung und Verhöhnung feiern ihre Orgien. Schicksalsschluss? Weltenfluch? Ahasverlos? Wann wird endlich der Tag erscheinen, wo ein nichtjüdischer Schriftsteller oder Dichter auf tritt, der das jüdische

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