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Jeschurun · 1925-11-01 · Heft 11-12 (November 1925) · p. Seite 489

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 11-12 (November 1925)
Date
1925-11-01
Page
Seite 489 (sequence 63)
Language
German
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Jüdische Kulturromane usw. 4S9 zuzweifeln, di© Seelensehönheit ihrer buchstäblich steinhartea Arbeit durch kleinliche Nörgelei herabzusetzen — das hat ausser diesen französischen Schriftstellern bisher niemand gewagt 1). Ich habe unzählige Palästinabesucher, Orthodoxe und Freisinnige gesprochen und reden gehört, aber keinen darunter, der nicht mit ehrfürchtigem Staunen, mit Bewunderung von den Chaluzim als von einem Urphänomen, einer einzigartigen Erscheinung in Israel gesprochen hätte! Wir haben in keinem Buche bis jetzt soviel Misstrauen und Kleingeist, so viele Ausfälle gegen das Gros der Chaluzim als wie hier gefunden. (II n'est guere venu que des gens qui n’avaient rien ä perdre, des Kusses, des Polonais, des Romains“. S. 165). Wenn man dann in dem Buch viele Ausfälle auf die englische Politik in Palästina liest, wenn dann in schärf- 8ter Form gegen die Teilnahmslosigkeit der Gesamtjudenheit am Palästinawerk gewettert wird und man das Ganze fast als spielerische Wohltuerei gewisser Grossmachtphilanthropen abgetan sieht — dann steigt in uns unabweislich ein Gedanke des Misstrauens auf, ob da nicht orientmachtpolitische Gelüste französischer Nationalisten — bewusst oder unbewusst — ein gewichtiges Wort mitgesprochen haben. Ueber dieses starke Misstrauen vor parteipolitischer Ein- Stellung können die dem Buche angeführten zwei schönen Er- Zählungen leider nicht hinweghelfen: ״Histoire de Sarah״ (eine junge Ansiedlerin, im Spionagedienste der Engländer im Weltkriege, die sich lieber von den Türken zu Tode quälen lässt, als dass sie ihr Geheimnis dem Feinde preisgibt), und ״La petite fille du Ghetto“ (ein im Jerusalemer Ghetto aufgewachsenes Mädchen, das lieber in der Enge ihres Heimatsmilieus verbleibt, 1J Jeder Einsichtige wird es verstehen, dass Menschen, die eine Umschichtung in ihrer Berufsarbeit vornehmen, Intellektuelle, die ihr Leben plötzlich auf Landarbeit einstellen, dies nicht mit einem Male tun können, dass sich die Wandlung nicht ohne seelische Hemmungen vollzieht, und dass diese Menschen wohl einen Anspruch auf ein ״geistiges Aequivalent“ haben; daher ihre Sehnsucht nach Geistigkeit, daher für ein flüchtiges Auge ihr innerer Zwiespalt, ihre Unausgeglichenheit.

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